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Basketball-Maskottchen in Quakenbrück:Aus der Haut des Drachen

Artland Dragons Maskottchen

Kann auch werfen: das Maskottchen der Artland Dragons.

(Foto: imago sportfotodienst)

Marius Lau wurde beim Basketball-Zweitligisten Artland Dragons befördert: vom Maskottchen zum Profi. Über einen "wahrgewordenen Kindheitstraum".

Von Theo Harzer

"Da trinkt man seine vier, fünf, sechs Liter Wasser pro Spiel", erzählt Marius Lau, "in dem Kostüm ist es mega warm." Das Kostüm, von dem die Rede ist, ist das von Tobi, dem Drachen, dem Maskottchen des Basketball-Zweitligisten Artland Dragons. Marius Lau, 20, hat bis vor kurzem in dem grünen Stoffanzug gesteckt, dann gab ihm der Klub einen Profivertrag, nun steht er auf dem Platz.

In der niedersächsischen Kleinstadt Quakenbrück mit ihren rund 13 500 Einwohnern kennt jeder die Artland Dragons; in der Basketballszene sind sie auch überregional ein Begriff. Viele Jahre mischten sie die Bundesliga auf, viermal erreichten sie das Playoff-Halbfinale, einmal sogar die Endspielserie, 2007 war das; im Jahr darauf holten sie den Pokal. Nach dem Rückzug des Hauptsponsors stieg der Klub 2015 freiwillig in die dritte Liga ab, die ProB.

ProA: Artland Dragons vs. Eisbaeren Bremerhaven, 18.01.2020 Julien Patrick Flomo (Artland Dragons, Assistant Coach), Mar

Ist jetzt Profi: Marius Lau (Mitte) von den Artland Dragons.

(Foto: imago images/Beautiful Sports)

Marius Lau ist als Dragons-Fan sozialisiert worden. "In Quakenbrück kommt man daran nicht vorbei. Ich bin, seit ich drei, vier Jahre alt war, bei fast jedem Heimspiel gewesen", erzählt er. Seine Kumpels haben alle Basketball gespielt, mit acht Jahren fing auch er an, Körbe zu werfen, er schaffte es bis in die Jugend-Bundesliga. Mit 16 Jahren bremste ihn eine Verletzung aus, er räumte die Basketballschuhe fürs erste zur Seite.

"Das ist ein unglaubliches, unbeschreibliches Gefühl"

Seine Liebe zu den Artland Dragons litt darunter nicht, im Gegenteil. Als sich der Verein vor fünf Jahren aus der Bundesliga verabschiedete, fing Lau an, sich im Fanklub zu engagieren: "Der hat damals eine Initiative gestartet, dass wir gerade noch so eine Lizenz für die dritte Liga bekommen haben." Lau übernahm in dieser Zeit verschiedene Aufgaben, erst war er Trommler, dann ein Jahr Wischer, schließlich sprang er als Maskottchen ein: "Letztes Jahr war es so, dass das Maskottchen krankheits- oder arbeitsbedingt ausgefallen ist, da hab' ich es ein-, zweimal probiert, das hat ganz gut geklappt", sagt Lau. Er schlüpfte häufiger in die Rolle des Drachen Tobi. "Es macht echt Spaß", sagt er, "man merkt, wie vor allem Kinder das Maskottchen lieben."

Parallel zu seiner Maskottchentätigkeit fing Lau wieder an, Basketball zu spielen, beim TSV Quakenbrück in der Regionalliga, und im Grunde nur zum Spaß. Doch dann wurden die Dragons von Verletzungen heimgesucht, und Trainer Tuna Isler wurde auf ihn aufmerksam. "Er hat gesagt: Komm, willst du mal bei uns aushelfen, wir brauchen noch ein, zwei Spieler", erzählt Lau. So kam es, dass er, das Maskottchen, in den letzten Spielen der vorigen Saison noch ein paar Minuten bei den Profis im Einsatz war - und ihm im Anschluss daran sogar ein Profivertrag vorgelegt wurde.

Marius Lau weiß, wie außergewöhnlich dieser Sprung ist; er hofft, dass das junge Basketballfans inspiriert: "Ich kann mir vorstellen, dass Kinder das cool finden. Wenn sie wissen, ich habe hier auch in der Jugend gespielt, genau wie sie." Kindern ein Vorbild, das ist Marius Lau aber nicht nur auf dem Platz. Seit September macht er eine Ausbildung zum Erzieher. "Vormittags Ausbildung, nachmittags Basketball", ist die Devise.

Mit den Dragons rangiert Lau gerade auf Platz fünf der zweiten Liga, der ProA. Sie seien zwar eine sehr junge Mannschaft, doch Tuna Isler könne damit umgehen. "Wir wollen jedes Spiel gewinnen, und wir können auch jedes gewinnen", glaubt Lau. Er selbst will sich "verbessern, immer mehr in die Rotation einarbeiten, mehr Minuten bekommen".

Solange will er den "wahrgewordenen Kindheitstraum" genießen: "Das ist ein unglaubliches, unbeschreibliches Gefühl, wenn man hier vor 2000 Zuschauern spielt, von denen man gefühlt die Hälfte kennt", sagt er. Derzeit dürfen natürlich keine Zuschauer in die Halle, wegen Corona-Fällen bei den Gegnern sind die letzten beiden Partien der Dragons ausgefallen. Aber wenn nichts dazwischen kommt, ist Marius Lau am Samstag wieder im Einsatz, gegen Ehingen. Als Profi.

© SZ vom 25.11.2020/ebc
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