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FC Arsenal:Özils tückisches Angebot im Maskottchen-Fall

Gunnersaurus File Photo File photo dated 05-12-2019 of Gunnersaurus the Arsenal mascot. FILE PHOTO EDITORIAL USE ONLY No; Arsenal

Bei den Fans populär und beliebt: Der Gunnersaurus.

(Foto: imago images/PA Images)

Der FC Arsenal entlässt den langjährigen Darsteller des Gunnersaurus. Mesut Özil bietet daraufhin an, dessen Gehalt zu übernehmen. Das könnte den Streit zwischen Spieler und Klub eskalieren lassen.

Von Sven Haist, London

Am letzten Tag vor der Wechselfrist ist mit Gunnersaurus Rex ein Klubmaskottchen zur meist diskutierten Personalie in der Premier League avanciert. Wie das Sportportal The Athletic am Montag berichtete, hat der FC Arsenal den Teilzeitvertrag mit Jerry Quy gekündigt, dem Mann, der bei den Heimspielen des Klubs immer ins unverwechselbare Kostüm eines grünen Dinosauriers geschlüpft ist, um die Zuschauer zu unterhalten. Die Absetzung des Publikumslieblings begründete Arsenal dem Vernehmen nach damit, dass in England derzeit keine Fans im Stadion zugelassen sind. Ein Maskottchen sei somit entbehrlich geworden. Die Maßnahme soll Teil des sogenannten Kostensenkungsprozesses im Klub sein, den sich Arsenal im August mit Verweis auf die finanziellen Einbußen in der Corona-Pandemie auferlegt hat. Damals beendete der Klub schon die Arbeitsverhältnisse mit 55 Mitarbeitern aus diversen Abteilungen, betroffen waren unter anderem das Scouting, der Einzelhandel und das Marketing.

Bei den Anhängern des Londoner Klubs entlud sich nun riesige Enttäuschung wegen des unpopulären Vorgehens. Das Maskottchen ist so etwas wie der indirekte öffentliche Repräsentant der Angestellten und Fans. Aus Sicht der Anhänger verdeutlichte dieser Schritt, dass der finanzgetriebene Profifußball inzwischen den Preis von allem und den Wert von nichts kennt. Seit seiner Premierenpartie zwischen Arsenal und Manchester City im August 1994 hat Jerry Quy, alias der Gunnersaurus, fast kein Heimspiel der Londoner verpasst. Das Engagement der Kultfigur ging in den 26 Jahren so weit, dass Quy die Hochzeit seines Bruders verpasste, um dem Dienst als Gunnersaurus nachzukommen. Während des Lockdowns im Frühjahr hielt er die Fans von zu Hause aus bei Laune.

Die Existenz der Kultfigur geht auf einen Ideenwettbewerb des Kinderfanklubs zurück, bei dem Entwürfe für ein Maskottchen gesammelt wurden. Zwar besaß Arsenal mit der Kanone - die den Gunners ihren Spitznamen gibt - damals schon ein Emblem, allerdings hätte eine anthropomorphe Kriegsmaschine eher nicht zur Begeisterung junger Fans getaugt. Inspiriert durch den zu dieser Zeit erfolgreichen Film "Jurassic Park" gewann der elfjährige Peter Lovell die Ausschreibung mit der Zeichnung eines Dinosauriers. In der Bildunterschrift gab er ihm den Namen: "Gunnersaurus Rex". Zum Aussterben des Arsenal-Dinos nahm der Klub bislang keine Stellung; auf Anfrage bestätigte ein Sprecher nur den Abschied von Quy und teilte eine angedachte Rückkehr des beliebten Maskottchens mit.

Arsenal geht zunehmend ins Risiko

Die miese Berichterstattung torpediert den Plan von Arsenal, sich den zuletzt verspielten Kredit bei den Fans neu aufzubauen. Sportlich befindet sich der Klub unter Trainer Mikel Arteta in dieser Spielzeit auf dem Weg der Besserung. In der Vorsaison hatten die Londoner zum vierten Mal hintereinander die Teilnahme an der Champions League verpasst. Den Klub bringt das bei der Finanzierung des auf Königsklasse ausgerichteten Etats von rund 250 Millionen Euro in arge Not. Händeringend versucht Arsenal (bislang) vergebens, den Anschluss an die Tabellenspitze herzustellen und geht dabei zunehmend ins Risiko: Kurz vor Ablauf der Wechselfrist wurde am Montagabend der Mittelfeldspieler Thomas Partey verpflichtet, für den eine Ablöse von saftigen 50 Millionen Euro an Atlético Madrid fällig wurde.

Damit steigt der Verlust im Transfergeschäft auf circa 150 Millionen Euro seit Beginn der Vorsaison. Dazu kommt die kürzlich vollzogene Vertragsverlängerung mit dem abwanderungswilligen Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang bis 2023, der sich seine Unterschrift mit einem Wochensalär von einer Viertelmillion Pfund vergüten lässt. Durch etwaige Bonuszahlungen könnte Aubameyang bald an die 350 000 Pfund pro Woche des Spitzenverdieners Mesut Özil herankommen. Angesichts dieser Ausgaben macht sich der Klub mit dem Verzicht auf sein Maskottchen und einen Teil seiner nicht kickenden Belegschaft - in Summe spart das nicht mehr als einen läppischen Millionenbetrag - zur offensichtlichen Zielscheibe. Schon einen Tag später peilte Özil mit seinem Berater Erkut Sögüt das Schwarze an - und traf.

Özils Angebot ist tückisch für Arsenal

In einer geschliffenen Nachricht in den sozialen Medien mit dem Hashtag #JusticeForGunnersaurus drückte Özil, 31, am Dienstag sein Bedauern über die Beurlaubung des Maskottchens aus und offerierte seinem Arbeitgeber, für dessen Salär bis zu seinem Vertragsende kommenden Sommer aufzukommen. Die auf den ersten Blick großzügige Geste entpuppt sich für Arsenal bei genauerem Hinsehen als tückisches Angebot. Um das eigene Gesicht zu wahren, kann der Klub den Vorschlag eigentlich weder annehmen noch ablehnen. Im Dauerclinch zwischen dem Verein Arsenal und dem Spieler Özil forciert die bewusst öffentlich platzierte Mitteilung zur Klubpolitik eine Eskalation des Konflikts.

Seit der Saisonunterbrechung im Frühjahr ist der ehemalige deutsche Nationalspieler in keinem Arsenal-Spiel mehr eingesetzt worden. In einem Interview mit The Athletic äußerte Özil kürzlich den Verdacht, die Nichtnominierung könne mit seiner Absage zu einem Einkommensverzicht zusammenhängen. Als einzigem Klub gelang es Arsenal, nach wochenlangen Verhandlungen mit den Spielern einen Abschlag in Höhe eines Achtels des Jahressalärs durchzudrücken. Aus dem Team weigerte sich unter anderem Özil, das Abkommen zu unterzeichnen, mit der Begründung, nicht genau genug informiert worden zu sein, wofür das eingesparte Geld verwendet werden würde. Denn hinter Arsenal steht als Eigentümer der US-amerikanische Multimilliardär Stan Kroenke.

Eine vernünftige Basis zur weiteren Zusammenarbeit mit Özil scheint es für Arsenal nicht mehr zu geben. Die Londoner probierten mehrmals ohne Erfolg, den Spielmacher aus dem Klub zu drängen. Stets ließ Özil ausrichten, den Vertrag aussitzen zu wollen. Mit der Offerte, das Gehalt des Gunnersaurus zu übernehmen, hat sich der in Ungnade gefallene Özil jetzt zumindest die Gunst der Fans gesichert - auf Kosten seines Arbeitgebers FC Arsenal.

© SZ.de/tbr
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