Baseball:Aus der MLB nach Schwabelweis

Baseball: Der erfahrene Kaleb Bowman zählte zu den besten Werfern der vergangenen Saison, er bleibt in Regensburg.

Der erfahrene Kaleb Bowman zählte zu den besten Werfern der vergangenen Saison, er bleibt in Regensburg.

(Foto: Claus Schunk/SZ)

Die Regensburg Legionäre wollen endlich wieder einen deutschen Meistertitel. Helfen soll Trainerlegende Bruce Hines, der in der nordamerikanischen Profiliga Erfahrung sammelte.

Von Christoph Leischwitz

Tomas Bison ist begeistert: "Wahnsinn, wie schnell das geht. Ich glaube, da fehlt nur noch das Dach", sagt der Trainer der Regensburg Legionäre, die zurzeit neben einer Baustelle trainieren. Im Januar hatte der Baseball-Verein im Stadtteil Schwabelweis begonnen, direkt am Stadion ein neues Multifunktionsgebäude hochzuziehen, das auch dem Breitensport dienen wird. Das rund 5,5 Millionen Euro teure künftige Landesleistungszentrum wird auch von Freistaat und Stadt unterstützt. Es ist gerade mal sechs Jahre her, dass die Legionäre ein neues Gebäude direkt neben die Arena bauten, mit Internat, Geschäftsräumen und einem kalifornischen Restaurant. Jetzt kommen also noch einmal 2000 Quadratmeter hinzu, um den Baseball in Regensburg besser zu machen. Mehr Sitzplätze für Zuschauer wird es dann in wenigen Monaten auch geben. Ein Nachteil ist, dass am kommenden Wochenende die Bundesliga-Saison beginnt, die Legionäre aber erstmal mehrere Wochen hintereinander auswärts antreten müssen. Am Samstag starten sie bei den Tübingen Hawks, eine Woche später findet das bayerische Derby bei den München-Haar Disciples statt.

Jegliche Vergleiche zwischen Baustelle und Mannschaft verbieten sich, eigentlich. Der Kader hat sich nämlich fast nicht verändert. Bison sagt, er vertraue den Spielern, die er hat - obwohl sie in der vergangenen Saison im Halbfinale gescheitert waren. Doch es war ein knappes Ausscheiden gewesen, erst nach fünf spannenden Spielen musste man sich dem späteren deutschen Meister Heidenheim geschlagen geben. Etwas zeitloser betrachtet ist das Bundesliga-Team dann aber doch eine Baustelle, die irgendwie nicht fertig wird: Trotz der prächtigen, höchst professionellen Bedingungen und der fraglos starken Talente, die das hauseigene Internat jedes Jahr hervorbringt, bleiben die Titel schon beachtlich lange aus, seit 2013 nämlich. In Sachen Meisterschaften hat Heidenheim (sechs) den Oberpfälzern (fünf) mittlerweile den Rang abgelaufen. "Wir wollen die Finalserie erreichen", gibt Trainer Bison nun erst einmal als Saisonziel aus.

Der italienische Trainer stammt aus Ronchi dei Legionari - ein Lacher für die Spieler der Regensburger Legionäre

Der Plan für die neue Saison: auf Beständigkeit setzen, an die eigenen Fähigkeiten glauben. Das Fundament dafür ist die Überzeugung, dass das eigene Können im Prinzip ausreicht, um wieder Spitze zu sein. So sind zum Beispiel die erfahrenen Pitcher Jan Tomek und Kaled Bowman auch weiter am Start, die in den beiden vorigen Spielzeiten zu den besten Werfern im Bundesliga-Süden gewählt wurden. Die Talente aus der eigenen Jugend sollen nach und nach integriert werden, müssen sich aber auch im Pflichtspiel-Alltag beweisen. Bison hat darauf geachtet, dass die Vorbereitung diesmal professioneller abläuft als zuletzt in Corona-Hochzeiten. Der 47-jährige Italiener hatte dem Team ein Trainingslager in seiner italienischen Heimat organisiert, in Ronchi dei Legionari. Dass der Trainer der Legionäre ausgerechnet aus einem Ort mit diesem Namen kommt, hatte bei seiner Verpflichtung im Herbst 2018 für Lacher gesorgt. Organisiert hatte er aber vor allem auch hochklassige Gegner, die europäischen Spitzenteams aus Bologna und Parma. Die Legionäre zeigten bei ihrem 4:3-Sieg und der 3:4-Niederlage beachtliche Frühform.

Dazu beigetragen hat möglicherweise bereits ein Mann, dem sie sehr wohl zutrauen, die bestehende Mannschaft noch einmal ein kleines bisschen besser zu machen. Der 64-jährige Bruce Hines bringt jahrzehntelange Trainer-Erfahrung aus der nordamerikanischen Profiliga MLB mit, wo er einige Jahre auch Spieler in der höchsten Liga trainierte. "Er ist eine Legende", schwärmt Chefcoach Bison. Auf die Frage, welche Aufgaben er übernehmen wird, antwortet Bison: "In der Praxis ist er mein spezieller Berater." Auf dem Papier soll Hines als Co-Trainer eigentlich nur für die erste und dritte Base fungieren.

In der Verlängerung der dritten Base in der Armin-Wolf-Arena steht das Internatsgebäude, neben der ersten Base bauen sie gerade das neue Landes-Leistungszentrum. Da passt es gut, dass Hines dazu beitragen soll, Vergangenheit und Gegenwart endlich wieder zu einem erfolgreichen Einklang zusammen zu führen.

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