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Australian Open:Laufender Prozess

Tennis - Australian Open - Third Round

An seinem Auftritt gegen Fernando Verdasco, 36, fand Alexander Zverev kaum etwas auszusetzen: "Nicht perfekt", fasste er das 6:2, 6:2, 6:4, zusammen, "aber angenehm".

(Foto: Hannah Mckay/Reuters)

Nach einem schlechten Start ins Jahr tritt Alexander Zverev in Melbourne wieder stabil auf. Nun trifft er auf seinen Jugendfreund Andrej Rubljow.

Von Barbara Klimke, Melbourne

Am Samstag ist in Melbourne wieder eine erkleckliche Summe zur Bekämpfung der Buschbrände zusammengekommen. Alexander Zverev sicherte dem Hilfsfonds weitere 10 000 Australische Dollar für seinen Sieg gegen den Spanier Fernando Verdasco zu. Nach der dritten gewonnenen Runde liegt sein Spendenaufkommen nun bei 30 000 Dollar, und sollte er auch im Finale triumphieren, wird er es auf vier Millionen, die Titelprämie, aufstocken. Das rechnete Zverev dem Publikum am Samstag nach dem Matchball noch einmal vor. Aber bis er seine Unterschrift auf den dicken Scheck setzt, hätte er noch vier weitere harte Runden zu überstehen.

Oder, um die Aussicht rosarot zu malen, vielleicht nur noch vier. An seinem Auftritt gegen Verdasco, 36, einen Veteranen des Spiels, fand Zverev diesmal kaum etwas auszusetzen: "Nicht perfekt", fasste er das 6:2, 6:2, 6:4, zusammen, "aber angenehm". Er hat Respekt vor dem erfahrenen Verdasco, der vor vier Jahren sogar Rafael Nadal aus dem Turnier befördert hatte. Zverev lieferte ihm keine Angriffsfläche: Nach einer Woche im Wettkampfbetrieb ist er noch ohne Satzverlust. Der Aufschlag, zu Jahresanfang beängstigend zittrig, ist stabil. Und er hat bei 15 Assen nur drei Doppelfehler fabriziert. Und so lautete seine Bilanz vor dem Achtelfinale: "Ich bin froh über den Prozess, wie er läuft."

Auch die Großen Drei sind ins Achtelfinale vorgerückt

Die zweite Woche hatte er auch im vergangenen Jahr erreicht, aber bei Grand-Slam-Turnieren ist Zverev bislang noch nirgendwo über das Viertelfinale hinausgekommen. Vor Jahresfrist verlor er in Melbourne in der Runde der letzten 16 Spieler nach einem Wutausbruch samt systematischer Schlägerzertrümmerung gegen Milos Raonic aus Kanada. Nun wird er seinen Jugendfreund, den Russen Andrej Rubljow, bezwingen müssen, wenn er sein Preisgeldspendenversprechen für die Opfer der australischen Brandkatastrophe erfüllen will. Zverev und Rubljow, beide 22 Jahre alt, kennen sich seit gut zehn Jahren, seit sie auf Mallorca ein Jugendturnier spielten. Sie sind Seite an Seite in die Weltspitze aufgestiegen, und wenn Rubljow, Nummer 16 der Rangliste, dem Freund Alexander, Nummer sieben, derzeit etwas voraushat, dann seine zuletzt weit bessere Matchbilanz: Er hat sich im Januar bereits zwei Turniersiege erobern können, erst in Doha und dann in Adelaide. Eine solche Serie, das weiß Zverev aus eigener Erfahrung, kann beflügeln: "Man hat das Gefühl, dass man in den wichtigen Momenten immer weiß, was man tun soll." Was zum Schluss führt: Er muss besser spielen als sein Kumpel.

Ins Achtelfinale der Australian Open sind auch die Großen Drei vorgerückt, die die schwersten Trophäen im Tennis seit Jahren unter sich aufteilen: Roger Federer aus der Schweiz, Rekordhalter im Sammeln von Grand-Slam-Titeln (20), der sich am Freitag mit einem Fünfsatz-Thriller über den Australier John Milman in die nächste Runde rettete. Novak Djokovic aus Serbien (16 Titel), sowie der Spanier Rafael Nadal (19 Titel), der am Samstag seinen Landsmann Pablo Carreno Busta in drei Sätzen bezwang.

Ebenfalls unter den letzten 16: Nick Kyrgios, der Australier, der sich am Samstag im letzten Match des Tages ein Art Tennis-Schwergewichtskampf mit dem Russen Karen Chatschanow lieferte, den er in 4:26 Stunden mit einem 6:2, 7:6 (7:5), 6:7 (6:8), 6:7 (7:9), 7:6 (10:8) in die Knie zwang. Damit steht fest, dass es am Montag in der Rod-Laver-Arena zu einem Duell kommen wird, das die sportbegeisterten Australier schon jetzt elektrisiert. Auf dem Programm: das Zusammentreffen zwischen Nadal und Kyrgios - zwei Tennisprofis, die sich auch abseits des Platzes in tiefer gegenseitiger Verachtung verbunden wissen. Nadal stört sich an Kyrgios' Rüpeleien; Kyrgios an des Spaniers Pedanterie. Zudem hat es der Australier fertiggebracht, den vermeintlich übermächtigen Erzrivalen in gleich drei von sieben Vergleichen zu schlagen. Hohe Einschaltquoten sind jedenfalls garantiert. Am Montag ist Nationalfeiertag: Australia Day.

© SZ vom 26.01.2020/and
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