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Aufstiegsrennen in der zweiten Liga:Bochum? Erster?

VfL Bochum 1848 v FC Würzburger Kickers - Second Bundesliga

Geniales Stürmerduo: Robert Zulj und Simon Zoller feiern den Führungstreffer gegen Würzburg.

(Foto: Lars Baron/Getty Images)

Die erfolgreiche Mannschaft, die vor dem Montagsspiel Tabellenführer der zweiten Liga ist, kennen die VfL-Fans bisher nur aus dem Fernsehen.

Von Ulrich Hartmann, Bochum

Als vor einem Jahr Corona ausbrach, war der VfL Bochum in der zweiten Liga Viertletzter. Der Bochumer Fußball war ein Trauerspiel. Am 7. März 2020 ermauerten die Westfalen am Böllenfalltor in Darmstadt ein Nullzunull. Zehn Jahre nach dem letztmaligen Abstieg aus der Bundesliga drohte den Bochumern der Absturz in die dritte Liga.

Dann kam mit dem Virus eine zweimonatige Spielpause - aus der der VfL wie verwandelt herauskam. Von den letzten neun Spielen der vergangenen Saison verlor man nur eines. Nach 23 Spieltagen in der aktuellen Saison übernachtete Bochum als Tabellenführer, weil der Hamburger SV erst diesen Montagabend auf St. Pauli spielt.

Das Bochumer Publikum kennt den verwandelten VfL bloß aus dem Fernsehen. Im Herbst durften zu ein paar Spielen zwar ein paar Tausend Zuschauer kommen, aber dem Großteil der Fans kommt diese Mannschaft vor wie eine televisionäre Erscheinung. Bochum als Aufstiegskandidat - ist das real? Surreal mutet allerdings auch den Spielern das leere Stadion an, in der erfolgreichsten Ära seit langem. "Normalerweise würde das Stadion aus allen Nähten platzen", sagt der Trainer Thomas Reis.

Ein regelmäßig ausverkauftes Ruhrstadion hat der 47-Jährige in den 1990er Jahren als Spieler selbst miterlebt, als man gegen Trabzon, Brügge und Ajax Amsterdam im Uefa-Pokal gespielt hat. Im Normalfall ist das Stadion an der Castroper Straße selten ausverkauft. Und gerade jetzt, da die Chancen darauf gut wären, zum Beispiel im Topspiel gegen den Hamburger SV am übernächsten Freitag, darf niemand kommen.

Robert Zulj und Simon Zoller sind die besten Zweitliga-Torschützen nach Simon Terodde

Es soll aber niemand denken, dass die Bochumer so aufblühen, weil sie ohne ihre Fans freier aufspielen können. Es liegt vielmehr daran, dass es Reis ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt im September 2019 und zufällig nach dem Ende der zweimonatigen Corona-Spielpause geschafft hat, einer individuell ohnehin veranlagten Mannschaft ein geordnetes Pressing-, Umschalt- und Aufbauspiel beizubringen. Den Rest für den Sprung an die Spitze tragen in Robert Zulj und Simon Zoller die beiden besten Zweitliga-Scorer hinter dem Hamburger Simon Terodde bei.

Am Samstag haben die Bochumer 3:0 gegen jene Würzburger Kickers gewonnen, die jüngst Fortuna Düsseldorf und den HSV besiegt hatten. Zoller hat ein Tor vorbereitet, Zulj hat eines vorbereitet und eines selbst geschossen. Zulj hat nun elf Treffer und zehn Assists auf seinem Konto. Zoller hat elf Treffer und neun Assists.

Ab sofort wird es richtig ernst. Bochums nächste Gegner heißen Fürth, HSV, Düsseldorf und Kiel. Danach werden die Bochumer wissen, ob eine Bundesliga-Rückkehr nach elf Jahren möglich bleibt. Ihre ins Stadion zurückkehrenden Fans ab August mit Spielen im Oberhaus zu überraschen, wäre ein echter Coup.

© SZ/cca
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