Marko Arnautovic in der Premier League Anruf bei den Trollen

Angespannte Verhältnisse: Marko Arnautovic (rechts) mit West-Ham-Manager Manuel Pellegrini beim Spiel gegen Everton.

(Foto: Ian Kington/AFP)
  • Marko Arnautovic von West Ham United kokettierte im Winter mit einem Wechsel nach China.
  • Fans reagierten auf Instagram mit teils harschen Bemerkungen auf sein Verhalten - woraufhin Arnautovic das Gespräch mit ihnen suchte.
  • Beim 0:2 gegen Everton am Samstag zeigt sich aber, dass er die Gunst aller Fans noch nicht zurückgewinnen konnte: Bei der Auswechslung von Arnautovic gibt es laute Pfiffe.
Von Raphael Weiss

Eigentlich sollte Marko Arnautovic gar nicht mehr da sein. Zumindest, wenn es nach ihm ginge. Er hatte sich doch von den West-Ham-United-Fans schon längst verabschiedet. Damals, am 12. Januar. Es lief die 71. Minute im Londoner Derby gegen Arsenal und Arnautovic wurde ausgewechselt. Der Österreicher lief in Richtung Seitenlinie, stoppte, drehte sich im Kreis und winkte dramatisch in Richtung der Zuschauer. Ein letztes Mal, wie es schien, denn wenige Tage zuvor hatte der Stürmer sehr öffentlich mit einem Wechsel nach China kokettiert, wo er angeblich das doppelte seines aktuellen Gehalts kassieren sollte.

Was die Fans von seinem Verhalten hielten, konnte der Österreicher schon bald in Großbuchstaben auf seinem Instagram-Account lesen: "WIR WOLLEN DICH NICHT!!! GEH NACH CHINA", war noch einer der freundlicheren Kommentare, die seine Follower dort hinterließen. Wenig überraschend für diejenigen, die die Umgangsformen in den sozialen Medien einerseits und die jüngere Geschichte von West Ham United andererseits kennen. Erst zwei Jahre ist es her, dass mit Dimitri Payet ein ehemaliger Fanliebling öffentlich seinen Abschiedswunsch mitteilte und schließlich den Verein verließ.

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Zwei Wochen und eine von West-Ham-Trainer Manuel Pellegrini verordnete Zwangspause später verkündete Arnautovic, dass er (wohl nicht ganz freiwillig) doch in West Ham bleibt und sogar einen neuen Vertrag unterschreibt - vermutlich zu deutlich verbesserten Bezügen. Wer die Transferpossen des internationalen Fußballs verfolgt, dürfte auch ob dieser Entwicklung nicht aus allen Wolken gefallen sein. Deutlich überraschender: die Art und Weise wie Arnautovic versuchte, die Fans wieder auf seine Seite zu bringen: "Ich habe mir eine Handvoll Fans rausgesucht, die mir blöde Nachrichten auf Instagram geschickt hatten, und habe sie nach ihrer Nummer gefragt, um mit ihnen zu sprechen", sagte Arnautovic dem Streaming-Dienst Dazn.

Laute Pfiffe im London Stadion

Eine ungewöhnliche Maßnahme des Fußballers, der nicht nur in seiner Zeit beim SV Werder Bremen neben seiner manchmal herausragenden Leistung auf dem Platz auch für seinen nicht ganz gewöhnlichen Charakter bekannt war. Doch nach eigener Aussage erzielte die Taktik gewünschte Wirkung: "Ich habe ihnen meine Meinung gesagt, sinngemäß: 'Hör zu, ich bin ein Mensch - genauso wie du. Und ich respektiere dich, genauso wie ich will, dass du mich respektierst. Was machst du, wenn du in deinem Job ein besseres Angebot bekommst? Lehnst du sofort ab?' Sie haben die Frage verneint. Sie haben Verständnis für die Situation gezeigt."

Wie viele Fans genau Arnautovic angerufen hatte, verriet er nicht. Alle von den knapp 60.000, die am Samstag den Weg ins London Stadium gefunden hatten, können es jedenfalls nicht gewesen sein. Denn als Arnautovic in der 66. Minute ausgewechselt wurde, in Richtung Außenlinie lief, Pellegrini abklatschte und dann seine Wasserflasche wütend auf den Boden pfefferte, gab es keinen Applaus, sondern laute Pfiffe. Zufrieden konnten die Zuschauer nach der schwachen Leistung, die ihre Mannschaft beim 0:2 gegen Everton geboten hatte, auch wirklich nicht sein. Doch diese Pfiffe lagen nicht an der Niederlage. Diese Pfiffe galten Arnautovic persönlich. Schon in der 40. Minuten hatten die Fans den Österreicher wissen lassen, dass sie ihm noch nicht verziehen haben: Arnautovic kam nach einem langen Pass an den Ball und gab aus gut 25 Metern einen Schuss ab, der schon als Rückpass ein wenig schwach gewirkt hätte. Das Stadion war gespalten zwischen wütenden Pfiffen und hämischem Applaus.

Spätestens da sollte Arnautovic klar geworden sein, dass es mehr als ein paar Anrufe bedarf, um sich die Gunst der Fans wieder zu erkämpfen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in der schnelllebigen Welt des Fußballs, wo Spieler nur noch selten Treueschwüre aussprechen, auch Fans bereit sind, Fehltritte schnell wieder zu vergessen solange eines stimmt: die Leistung. Der schnellste Weg in die Herzen der Fans geht für Arnautovic nicht über das Telefon, sondern über ein Tor. Sein letztes ist nämlich schon bald drei Monate alt.

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