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"Racquet Book Club":Wenn Andrea Petkovic über David Foster Wallace sinniert

TENNIS - WTA, Nuernberger Gastein Ladies BAD GASTEIN,AUSTRIA,12.JUL.14 - TENNIS - WTA Tennis Damen Tour, Nuernberger Ga

"Lesen öffnet einem neue Perspektiven. Für den Kopf gibt es, grad heute, nichts Besseres": Tennisprofi Andrea Petkovic, 32.

(Foto: GEPA pictures / Imago)
  • Andrea Petkovic hat in den fordernden Corona-Zeiten einen Buchklub gegründet.
  • Beim "Racquet Book Club" kann jeder mitmachen.
  • Die 30-Jährige geht die Literatur wie Sport an, als Wettbewerb unter mehreren, der so vieles sein kann, Spaß, Qual, Bereicherung, Verschwendung.
  • Im Gespräch mit der SZ gibt Petkovic zudem bekannt, noch ein Jahr dranzuhängen - und 2021 noch Turniere zu spielen.

Immer wenn sie in New York war, wo ihr Freund lebt, ein Geiger, hat Andrea Petkovic etwas beschäftigt. "Alle meine Freunde dort sind in Klubs, Bücherklubs, Filmklubs." Sie lacht kurz. "Wahrscheinlich ist das nur eine Ausrede, um Wein zu bechern", merkt sie in der ihr eigenen ironischen Art an, um wieder ernst zu werden: "Ich fand das immer saucool und konnte leider nie so etwas machen." Als Tennisprofi sei sie einfach zu oft unterwegs. Und trotzdem: In ihr wuchs der Gedanke, auch so etwas auf die Beine zu stellen, einen Buchklub, nur online. "Aber immer wenn ich diesen Gedanken konkreter fasste, bin ich zurückgeschreckt", sagt sie: "Ich dachte, das ist so aus der Zeit gefallen. Da macht keiner mit. Da sitze ich dann mit zwei Fans."

Aber dann kam Corona, und die Welt muss gerade lernen, sich zurückzuziehen. "Da dachte ich: Wenn es jetzt nichts wird, wird's nichts." Seit einer Woche existiert der "Racquet Book Club", und all die Zweifel, die Petkovic hatte, weil sie ihr eigenes Projekt selbst "total amateurhaft" findet, sind wie weggefegt: "Ich bin von der Resonanz überwältigt. Der Klub hat schon 1600 Follower." Und es werden täglich mehr.

Sie wird über ihre Vorliebe für Sartre gelöchert

Nun ist es natürlich so, dass Petkovic, 32, eine gewisse Berühmtheit hat und automatisch Interesse auf sich zieht. Nummer neun der Weltrangliste war sie mal, sie hat schon ein paar Milliönchen verdient. Seit fast 15 Jahren ist das deutsche Tennis ohne sie nicht vorstellbar, auch international hat sie ihre Anhänger, selbst unter Journalisten. Bei großen Turnieren setzten sich oft genug amerikanische Reporter zu den deutschen Pressekonferenzen, um kurz oder länger mit "Petko" zu quatschen, über dies und das, selten über Tennis. Als sie bei den French Open 2014 das Grand-Slam-Halbfinale erreichte, löcherten sie die Franzosen zu ihrer Vorliebe für Sartre.

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Wahrscheinlich gibt es im Tennis keine Akteurin, die vielschichtiger interessiert ist, was auch daran liegt, dass Petkovic sich die Freiheit nimmt, sich nicht auf eine Ausdrucksform zu beschränken. Sie ist Leistungssportlerin, Kulturfreak, Philosophin, Quatschtante, Drama-Queen (manchmal), und sie ist Kosmopolitin wie auch Heimatverbundene: "German beer makes things okay" steht auf Twitter unter ihrem Namen. Als Moderatorin ist sie beim ZDF eingestiegen, längst klopft sie an am nächsten Leben. Schreiben kann sie auch, exzellent sogar: Im Herbst erscheint ihr erstes Buch, eine Autofiktion. Nun der Bücherklub.

In diesen Tagen ist Petkovic wie so viele auch zu Hause, aus Vorsicht und Vernunft. "Hallo, hallo, hier ist Darmstadt", so antwortet sie in einer SMS, oder: "Grüße aus Darmhausen". Ihr Humor ist legendär - wie auch ihr kreativer Unternehmergeist selbst in trüben, fordernden Corona-Zeiten durchs Telefon zu vernehmen ist, als sie vom Racquet Book Club berichtet.

Der Name ist ans Racquet Magazine der Herausgeberin Caitlin Thompson angelehnt, für das Petkovic regelmäßig Essays verfasst, einmal etwa über den Einfluss der Diva Serena Williams auf die Popkultur. Sie schlägt immer wieder Brücken aus ihrer Berufswelt in eine andere, wobei in ihr kein von der eigenen Bedeutung ergriffenes Feuilletonistenherz schlägt, wie es manchmal zu registrieren ist. Sie geht Literatur eher wie Sport an, als Wettbewerb unter mehreren, der so vieles sein kann, Spaß, Qual, Bereicherung, Verschwendung. Das wird sofort mit dem Startschuss des Klubs deutlich, bei dem es darum ging, ein Buch per Abstimmung zu ermitteln, das die Gemeinde bespricht.

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