American Football Die Erkenntnisse über CTE sind sehr gering

Aber auch in den USA bleiben Fragen offen. Gibt es genetische Voraussetzungen, die die Entstehung von CTE begünstigen? Wie viele Spieler sind betroffen? In welcher Form werden die Zellen geschädigt? Und warum wirkt sich das erst Jahre später aus? Viele Erkenntnisse gibt es noch nicht über CTE. Die Forschung wird erschwert, weil eine Diagnose schwierig ist: Gesichert feststellen lässt sich die Krankheit nur, wenn man die Gehirne verstorbener Patienten untersucht. An Methoden, CTE zu Lebzeiten festzustellen, wird gebastelt. "Aber auch ohne Zahlen und die genauen Zusammenhänge zu kennen, müssen wir Prävention betreiben, allein weil der Verdacht besteht", sagt Grünwald.

Seit er vor drei Jahren angefangen hat, sich näher mit leichten Kopfverletzungen zu beschäftigen, hat er vieles in Gang gesetzt. Inzwischen werden Footballtrainer über die Gefahren aufgeklärt. Sie erhalten die sogenannt SCAT3-Karte, einen Fragebogen, mit dem ein Sportler von Nicht-Medizinern auf Anzeichen von Gehirnerschütterungen untersucht werden kann. Zudem sollen Spieler frühestens sieben Tage nach einer Kopfverletzung wieder eingesetzt werden. Außerdem empfiehlt Grünwald sogenannte Baseline-Tests. Dabei absolvieren die Spieler vor Saisonbeginn einen Leistungstest. Besteht der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung, macht der Spieler erneut einen Test. Sind die Ergebnisse zu schlecht, kann er nicht weiterspielen.

Die neuen Maßnahmen seien nicht verpflichtend, würden aber mehr und mehr umgesetzt, sagt Grünwald. Er sieht die Effekte in der Jugendnationalmannschaft, die er seit 20 Jahren medizinisch betreut. "Ich führe eine Statistik über die Anzahl der Gehirnerschütterungen. Seit wir angefangen haben, über die Gefahren aufzuklären, sind die Zahlen um 20 Prozent zurückgegangen. Ich hoffe daher, dass in Sachen CTE in Zukunft nicht viel auf uns zukommt." Er vertraut auch auf die verbesserte Ausrüstung: Inzwischen dämpfen die Helme Stöße viel effektiver als vor 30 Jahren, als die Spieler sich zum Schutz sich Knieschoner in den Helm steckten.

Grau hat sein Leben auf "20 Prozent reduziert"

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Nur durch den spektakulären Fang von Julian Edelman konnten die New England Patriots die Aufholjagd starten, die ihnen den Titel bescherte. Die entscheidenden Szenen eines historischen Spiels.   Von Jürgen Schmieder

Für Erich Grau kommt die neue Prävention zu spät. 2011 wurde er in den Ruhestand versetzt, nachdem ihn seine Schüler vom Lehrerzimmer abholten. "'Sie finden das Klassenzimmer doch sonst nicht, Herr Grau", haben sie gesagt. So war es auch." Der Ruhestand tut Grau gut. Er hat sein Leben "auf 20 Prozent reduziert", wie er sagt. Immer noch schreibt er Berichte über die Hochspringer, die er trainiert, wirft Diskus und Kugel, fährt Skibob, geht regelmäßig ins Krafttraining. Auch ein Flügel steht in seinem Wohnzimmer. Aber er macht nur ein bis zwei dieser Dinge am Tag - eine Strategie, die er in einer Gedächtnissprechstunde gelernt hat. Mit Football hat Grau nicht mehr viel zu tun, er fühlt sich unwohl dabei. Aber ob er es bereut, gespielt zu haben, kann er nicht sagen: "Ich lebe im Heute", meint Grau. "Damals war Football gut für mich. Und über 'was wäre wenn' denke ich nicht nach. Das bringt mir nichts."

Vor einer Weile war Erich Grau auch wieder Brot kaufen. "Sie waren schon viel schlechter beieinander", sagte die Bäckerin zu ihm.