Alexander Zverev Zverev übersteht sein Zittern

Drei Stunden und 46 Minuten Schwerstarbeit: Alexander Zverev steht in der dritten Runde.

(Foto: Kim Kyung-Hoon/Reuters)

Beim Fünf-Satz-Sieg gegen Jeremy Chardy spielt der Deutsche erstaunlich geduldig.

Von Barbara Klimke, Melbourne

Seinen ersten Härtetest hat Alexander Zverev bestanden. Ein wenig ins Zittern gekommen ist er in der Fünfsatzpartie in Melbourne gegen den Franzosen Jeremy Chardy, aber gestürzt ist er nicht. "Puh!", seufzte er, nachdem er um 0:15 Uhr Ortszeit den letzten Aufschlag ins Feld gedroschen hatte, den der Gegner nicht mehr richtig retournieren konnte: "Er hat enorm gekämpft." Chardy mag sein Freund sein auf der Tennis-Tour, aber geschenkt haben sich die beiden beim 7:6 (5), 6:4, 5:7, 6:7 (6) und 6:1 wirklich nichts.

Schon im vierten Satz hatte sich Zverev, 21, einen Matchball gegen den zehn Jahre älteren Franzosen erspielt, aber er gab das Duell, das er bis dahin weitgehend dominiert hatte, fast noch aus der Hand. Er sei zwischenzeitlich sehr nervös gewesen, erklärte er später, vor allem, weil Chardy, der 2013 bei den Australien Open im Viertelfinale stand, brillant spielte. Vielleicht hätte er in dieser Phase mehr Aggressivität zeigen müssen, räumte Zverev ein. Aber bei den Breakchancen hatte er "nicht das Gefühl, viele blöde Fehler gemacht zu haben". Er kannte seinen Kumpel gut genug, um zu wissen, dass er über ausreichend Fähigkeiten verfügt, Spitzenspieler aus dem Turnier zu kegeln: "Deshalb bin ich froh, dass ich in der dritten Runde bin."

Drei Stunden und 46 Minuten brauchte er, um dieses Minimalziel zu erreichen. In den vergangenen beiden Jahren war er in Australien an der dritten Hürde gescheitert. Nun, da er den letzten großen Titel der vergangenen Saison erobert hat und als Sieger der ATP-Finals angereist ist, sind die Erwartungen an den Weltranglisten-Vierten gestiegen. Zu den positiven Erkenntnissen des Abends zählte, dass er nicht, wie früher bisweilen zu beobachten, zu hitzig oder taktisch falsch reagierte, sondern im fünften Satz seine Chance abwartete. Zverevs Geduld wird vermutlich am Samstag wieder auf die Probe gestellt, wenn er gegen den Australier Alex Bolt antritt.

Am Donnerstag schied Philipp Kohlschreiber gegen den Portugiesen Joao Sousa aus, Maximilian Marterer verlor gegen den Franzosen Lucas Pouille. Und Laura Siegemund unterlag Hsieh Su-Wei aus Taiwan. Damit sind von deutscher Seite noch Angelique Kerber und Zverev dabei.