1860 München Lieber gewinnen als rechnen

Sechzigs gefährlicher Maskenmann: Nur wurde der Kopfballtreffer von Simon Lorenz nicht gewertet.

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Nach der Niederlage gegen den Halleschen FC rücken für 1860 München die Abstiegsplätze wieder näher.

Von Christoph Leischwitz

Ausgerechnet am Osterwochenende fiel Daniel Bierofka auf, dass Eier fehlen, aber es ging nicht anders, Sascha Mölders war ja nicht dabei. Der Angreifer des TSV 1860 München hat zwar selbst seit sechs Partien keine Torbeteiligung mehr aufzuweisen, und nach dem 0:1 im Heimspiel gegen Preußen Münster hatte er eine Fragerunde frustriert abgebrochen. Trotzdem ist der 34-Jährige fraglos ein Anführer, für das Spiel beim Halleschen FC war er allerdings gelbgesperrt. Weshalb Trainer Bierofka im Vorfeld darauf hingewiesen hatte, dass nun andere, namentlich Stefan Lex und Daniel Wein, eben "Eier zeigen" müssten. Ersterer hatte eine gute Chance, Letzterer hatte eine Vorgabe zu einem nicht gegebenen Tor gegeben, doch letztlich reichte es nicht: Das 0:3 (0:1) beim Aufstiegsaspiranten bedeutete sogar die bislang höchste Saisonniederlage.

Mölders war nicht der einzige, der nichts dagegen tun konnte. Efkan Bekiroglu saß das dritte und letzte Spiel einer Sperre wegen Spuckens ab, Alessandro Abruscia und Aaron Berzel fehlten wegen Adduktorenproblemen. Weshalb es für Trainer Bierofka auch nicht übermäßig überraschend war, dass man gegen die robusten Saalestädter "nicht hundertprozentig physisch dagegen halten" konnte, zumal fünf Spieler aus der U21 zum Einsatz kamen. Und dann sind da ja auch noch die Schiedsrichter-Entscheidungen. Über eine Saison hinweg, sagen viele, gleichen sich Fehlentscheidungen meistens aus. Die Saison hat allerdings nicht mehr viel Zeit, sich auf die Seite der Sechziger zu schlagen. Zwar lag Bierofka wohl mit seiner Einschätzung falsch, Halles Kilian Pagliuca sei vor seinem Tor zum 1:0 (18.) "einen Meter im Abseits" gestanden - wahrscheinlich stand Pagliuca gar nicht im Abseits. Fragwürdig war allerdings die Entscheidung, in der 54. Minute nicht auf Tor für die Gäste zu entscheiden: Der seit seinem Nasenbeinbruch mit einer Maske spielende Simon Lorenz köpfelte nach einer Ecke von Wein aufs Tor, Halles Keeper Kai Eisele zeigte eine starke Parade - stand dabei aber hinter der Linie. Die Torlinientechnik gibt es in der dritten Liga nicht, es blieb unklar, ob der Ball komplett hinter der Linie war, es sah sehr danach aus.

Bierofka fühlte sich an das Hinspiel (1:1) erinnert, in dem gleich mehrere umstrittene Szenen für Unmut auf dem Feld und Unruhe auf den Rängen gesorgt hatten (wohl auch deshalb hatte der DFB in Sören Storks einen erstliga-erprobten Unparteiischen nach Halle entsandt). Diesmal blieb es zumindest im Umfeld ruhig. Wohl auch deshalb, weil die Halleschen Fans den Sprung auf den dritten Tabellenplatz feiern konnten. Nach der vergeben Chance der Sechziger trafen Sebastian Mai (60.) und Marvin Ajani (65.) zur Entscheidung. Die Sechzig-Abwehr teilte die Fehler gerecht auf: Vor dem ersten Tor hatte Kodjovi Koussou im Solo den Ball verloren, Erik Weeger kam bei der Flanke zu spät; Simon Lorenz stand vor dem 2:0 zu weit vom Flankengeber entfernt; Sami Belkahia bei seinem insgesamt passablen Startelf-Debüt zu weit von Ajani, der den Ball unabsichtlich vom Strafraumrand ins Tor lupfte.

Bierofka hätte vor der Partie gerne endgültige Klarheit gehabt, lieber gewinnen als rechnen, hatte er gesagt. Jetzt müssen die Löwen wieder rechnen, denn die Abstiegsplätze rücken ein wenig näher, wenn auch noch nicht bedrohlich. Die Sorge um die Mannschaft ist eher eine langfristige: Aufgrund des angekündigten Konsolidierungskurses wirft die aktuelle Leistung - ein Punkt aus vier Spielen - die Frage auf, ob der aktuelle Kader stark genug ist für die Liga, geschweige denn der künftige. Bierofka hatte vor dem Spiel den Klub-Verantwortlichen noch einmal klargemacht, wie er die Mannschaft einschätzt, und dabei offensichtlich auch dafür appelliert, den Kader zusammen zu halten. Er habe den Kader "zwei Jahre aufgebaut, wir wollen keinen Schritt zurückgehen", sagte er bei Magentasport. Ganz sicher war er sich aber, dass man am Samstag gegen den Karlsruher SC "eine andere Mannschaft" sehen werde. Das dürfte angesichts der möglichen Rückkehrer wie Mölders leichtfallen.