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1. FC Nürnberg:Hilflos im Aquarium

1. FC Nürnberg - Hamburger SV

"Das war nicht schön": Nürnbergs Trainer Robert Klauß beobachtet das Spiel gegen den HSV aus einer Loge im Max-Morlock-Stadion.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Ohne Trainer Robert Klauß ringt der Club dem Zweitliga-Spitzenreiter Hamburger SV ein Unentschieden ab.

Von Thomas Gröbner

90 Minuten lang klebte Robert Klaus einsam oben am Fenster einer Loge im leeren Nürnberger Max-Morlock-Stadion. Er blickte nach unten, während sich die Kameras nach oben auf den Club-Trainer richteten. Und wie in einem Aquarium war gar nicht mehr klar, wer hier eigentlich wen beobachtete. "Hilflos" habe er sich während der Partie gegen den Hamburger SV gefühlt, sagte Klauß, wobei seine Mannschaft beim 1:1 (1:1) den Zweitliga-Spitzenreiter auch ohne ihren Chef gut im Griff hatte.

Klauß war verbannt worden, weil er in der Vorwoche eine Wasserflasche aufs Spielfeld getreten hatte bei der Niederlage in Heidenheim - das reichte aus für eine rote Karte. Co-Trainer Tobias Schweinsteiger übernahm für ihn, ausgestattet mit einem Knopf im Ohr und einem kleinen Mikrofon. Gar ein Geheimkontakt über Mittelsmänner mit dem Chef? Nein, er war im Austausch mit dem Videoanalysten, wie immer, klärte Schweinsteiger auf.

Alles sollte sein wie gewohnt, deshalb stand auch ein Stuhl für Klauß am Spielfeldrand - der aber leer blieb. Für seine Abwesenheit hatte der Cheftrainer seinen Vertreter mit einem Plan für Führung und Rückstand ausgestattet. Und tatsächlich ging der Club schnell in Front: Erst traf Fabian Nürnberger noch die Latte, danach schloss er einen Konter über Robin Hack ab (14. Minute).

Aber ein Zweitligaspiel ohne ein Tor von Simon Terodde? "Sicherlich möglich, aber wir haben es nicht geschafft", sagte Klauß danach auf der Pressekonferenz, die wieder Chefsache war. Nach einer halben Stunde tauchte der HSV-Angreifer zum ersten Mal im Nürnberger Strafraum auf, nach einer Hereingabe von Bakery Jatta tunnelte er Christian Mathenia im Tor (33.) - sein 16. Treffer im 15. Spiel.

Der Club lässt sich von Gegentoren nicht mehr schocken

Für ein Unentschieden gab es keine Blaupause, deshalb kam es nun auf das Bauchgefühl von Schweinsteiger an, der die Mannschaft stabilisieren konnte. Nürnberg hielt die Räume weiter eng und wusste auch mit dem Ball etwas anzufangen. Und so konnte Klauß etwas entspannter die Schlussphase verfolgen, "weil ich schon gesehen habe, dass es der HSV schwer gehabt hat, in den letzten zehn Minuten vor das Tor zu kommen".

Der Club scheint sich nicht mehr schocken zu lassen nach Gegentoren, das ist die gute Nachricht. Zwei Jahre Abstiegskampf haben Spuren hinterlassen, die nun langsam verschwinden. "Was auf die Mannschaft in den letzten zwei Jahren eingeprasselt ist, das haben wir aus den Köpfen gekriegt", sagte Schweinsteiger.

Klauß sah sein Team auf Augenhöhe mit dem Tabellenführer, wünschte sich aber mehr Ertrag aus solch engen Partien: "Jetzt geht es darum, dass wir es auch mal schaffen, so ein Spiel zu gewinnen", sagte er. Nächsten Samstag in Bochum wird der 36-Jährige wieder am Spielfeldrand stehen, auch wenn er seinen Einfluss während der 90 Minuten gering schätzt: "Dass wir viel korrigieren können im Spiel, ist eine Illusion, die wir Trainer oft haben."

© SZ/lein/and
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