1. FC Nürnberg Grabesstille nach der Hinrunde

Raffinierte Rhetorik: Club-Trainer Michael Köllner.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Nach nur 14 Toren in 17 Spielen stimmt sich der 1. FC Nürnberg auf den Abstieg ein - Trainer Michael Köllner bleibt dabei positiv.

Von Christoph Ruf

Es gab jede Menge Zuspruch für den 1. FC Nürnberg nach der letzten Hinrunden-Niederlage der Saison. Zum Beispiel von einem gewissen Mike Frantz, der von 2008 bis 2014 beim Club beschäftigt war und an alter Wirkungsstätte viele Menschen umarmte. "Ich wünsche ihnen, dass sie dort bleiben, wo sie hingehören", sagte der heutige Freiburger Mittelfeldmann. "Wenn man sieht, dass Düsseldorf in einer Woche neun Punkte geholt hat, kann Nürnberg das auch schaffen." Zumindest dann, wenn es ruhig bleibt, schob Frantz nach. "Das Wichtigste ist, dass der Verein zusammenhält. Da ist Freiburg ein gutes Beispiel."

Nun, ruhiggeblieben ist es am Samstag nur unmittelbar nach Schlusspfiff des 0:1. Schon in der Frühphase der Partie hatte es bei Fehlpässen Pfiffe gegeben, nach dem Abpfiff herrschte Grabesstille. Selbst die Zuschauer, die während der Partie den alten Reflexen verfallen waren und Trainer oder Sportdirektor für den letzten Tabellenplatz verantwortlich machten, schwiegen. Dann allerdings schlichen die Spieler gesenkten Hauptes zur Fankurve, wo die Hartgesottenen mit einem Mal laut wurden. Via Megaphon schworen die Ultras die Spieler auf die Rückrunde ein. Tenor: So lange die Mannschaft kämpft, kann sie sich der Unterstützung sicher sein.

Kurz darauf kam Robert Bauer zu Wort. Die Leute in der Kurve, die wüssten eben, "für welchen Verein wir spielen", sagte der Verteidiger, der damit auf den niedrigen Etat anspielte. "Auf der Tribüne pfeifen manche schon, wenn du mal den Ball zurückspielst, und die peitschen uns nur nach vorne", sagte Bauer, der Fragen zur Erstligatauglichkeit mit einem bestechenden Gegenargument konterte: "Es sind noch 17 Spiele zu spielen, sollen wir die jetzt alle zur Abschiedstour erklären?"

Und doch wird dieser 1. FC Nürnberg, der bisher gerade mal elf Punkte geholt hat, wohl absteigen, wenn er nicht in der Vorbereitung auf die Rückrunde zwei Probleme abstellt, die auch am Samstag wieder dem Gegner die Punkte einbrachten. Zum einen fallen zu viele billige Gegentore. Zum anderen schießt man selbst fast keine Tore: nur 14 Mal traf der Club in 17 Partien. Ganz anders der SC Freiburg, der diesmal zwei Chancen hatte: Die erste durch einen Freistoß von Christian Günter, den Manuel Gulde noch "mit den Haarspitzen" touchierte und der zum Tor des Tages wurde (19.). Und eine zweite durch Luca Waldschmidt (76.), die FCN-Torwart Fabian Bredlow zunichte machte. Ansonsten verschrieb sich Freiburg der puren Defensivarbeit und einem immensen Fleiß, wenn der Gegner den Ball hat. Wohlwissend, dass Nürnberg gefällig Fußball spielen kann. Würde es nicht auf so bedenkliche Weise seine Chancen vergeben: Diesmal war es Adam Zrelak, der aus acht Metern Distanz Torwart Alexander Schwolow anschoss (38.).

Die notorische Positivrhetorik von Trainer Michael Köllner wirkte am Samstag mal wieder ein bisschen merkwürdig. Wie fast nach jedem Spiel hatte er nicht nur einen bemühten, sondern einen tollen Auftritt ("sehr präsent, sehr laufstark, technisch stark") seines Teams gesehen und geschlussfolgert, dass sich die Punkte irgendwann einstellen würden. Zum Beispiel in der Rückrunde, wenn man dann halt "das Feld von hinten aufrollen" werde. So einfach wird das allerdings nicht werden. Dennoch darf man den Franken wohl Respekt dafür zollen, dass sie bislang ruhiggeblieben sind und nicht so tun, als ließen sich die Probleme mit einer Personalrotation auf der Trainerbank beheben. Zusammen mit Düsseldorf hat der Club den geringsten Etat der Liga. Selbst die notorisch klammen Freiburger konnten sich im Sommer für fünf Millionen Euro Waldschmidt leisten - das ist mehr Geld als Nürnberg in der Summe für Transfers hatte. "Die haben alles probiert, haben gekämpft und versucht, Fußball zu spielen", sagte der ehemalige Clubberer Frantz. "Was willst du Nürnberg für einen Vorwurf machen?"