1. FC Nürnberg Den Prophezeiungen nichts entgegenzusetzen

Nur 19 Tore in 25 Spielen: Nürnbergs Fußballer treffen viel zu selten. Kapitän Hanno Behrens führt mit vier Toren die Torschützenliste an.

(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Auch gegen Hoffenheim bringt der Trainerwechsel beim Club keine Wende.

Von Tobias Schächter

Andrej Kramaric habe seinen Job erledigt, stellte Julian Nagelsmann, der Trainer der TSG Hoffenheim, nach dem Spiel trocken fest. Der Stürmer hatte am Sonntag beide Tore beim 2:1 der TSG gegen den 1. FC Nürnberg erzielt und damit die Chancen auf das Erreichen eines Europapokalplatzes gewahrt. Zunächst verwandelte der kroatische Nationalspieler einen Elfmeter zur Führung (25.) und erhöhte nach dem Ausgleich von Hanno Behrens (60.) mit einem sehenswerten Hackentor (78.). Kramaric wollte danach schnell nach Hause, aber ein paar Sätze sagte er dann doch, unter anderem diesen: "Ich hätte nicht gedacht, dass das Spiel so hart werden würde."

Wer es gut mit dem 1. FC Nürnberg meint, könnte diese Analyse als Aufmunterung für die Verlierer interpretieren. Doch in Wahrheit verpassten es die Hoffenheimer, wie so oft in dieser Saison, das Spiel frühzeitig zu entscheiden. Nach dem plötzlichen Ausgleich der harmlosen Gäste wirkten sie geschockt. Doch statt den womöglich wegen ihrer turmhohen Überlegenheit eingenickten Gastgebern in der Nachspielzeit die Saison vorzeitig zu vermiesen, schoss Nürnbergs Patrick Erras den Ball am linken Pfosten vorbei. Die Gäste waren einfach zu schwach. Wieder einmal. Das klingt hart, entspricht aber der Realität. Zum 19. Mal in Serie schafften die Franken keinen Sieg. Der Trainerwechsel von Michael Köllner zu Bernd Schommers brachte ergebnistechnisch keine Wende, unter dem Interimscoach gewannen die "Clubberer" in vier Spielen nur einen Punkt.

Frankfurts Europa-League-Spiel könnte Nürnbergs Vorteil sein

Hielt lange wenigstens noch der Blick auf die Tabelle die Hoffnung auf den Klassenverbleib aufrecht, so wird auch der langsam zur Qual: Der VfB Stuttgart auf Relegationsrang 16 liegt nun schon sechs Punkte weg und Augsburg wirkt auf dem ersten Nichtabstiegsplatz mit neun Zählern Vorsprung fast uneinholbar enteilt. Zwei Siege und 13 Punkte hat der Tabellenletzte in 25 Versuchen erst gesammelt. Neun Spiele bleiben noch zum Punktesammeln.

Der in Hoffenheim eingewechselte Robert Bauer erkannte: "Uns läuft die Zeit davon. Wenn wir jetzt nicht anfangen zu punkten, dann sieht es ganz schlecht aus." Und ein wenig resigniert, fügte er hinzu: "Wir spielen unter dem neuen Coach zwar besser, holen aber keine Punkte." Unter der Anleitung von Schommers tritt die Elf in der Defensive kompakter auf. Die Niederlagen zuletzt bei Düsseldorf (1:2) und den Europapokal-Aspiranten Leipzig (0:1) und Hoffenheim fielen knapp aus. Andererseits agieren die Spieler im Vorwärtsgang weiter viel zu harmlos. Nürnberg erzielte in 25 Spielen nur 19 Treffer, Mittelfeldspieler Hanno Behrens führt mit vier Törchen die interne Torschützenliste an. Kapitän Behrens lobte pflichtschuldig "Teamgeist" und "Charakter". Torwart Christian Mathenia ergänzte trotzig: "Ganz Deutschland rechnet nicht mehr mit uns, in Nürnberg werden es auch nicht mehr so viele sein. Aber wir glauben noch dran." All das klang eher nach Durchhalteparole. Aber was sollen die Spieler auch sonst sagen?

Der von finanziellen Altlasten geplagte Aufsteiger ging als großer Außenseiter in die Runde. Bislang konnte diese Auswahl den vielen Prophezeiungen eines sofortigen Wiederabstiegs nichts entgegensetzen. Und im Endspurt wird die personelle Lage auch nicht besser. Enrico Valentini fällt mit einer gegen Hoffenheim erlittenen Sehnenverletzung im Oberschenkel bis zum Saisonende aus. Am Sonntag in Frankfurt fehlen zudem die gesperrten Matheus Pereira und Tim Leibold sowie wohl Ondrej Petrak (Leiste) und Virgil Misidjan (Adduktoren). Schommers rechnet dafür mit der Rückkehr von Georg Margreitter und Sebastian Kerk, der bei der TSG vorzeitig vom Platz musste (Ellenbogencheck). Am Donnerstag muss die Eintracht noch in der Europa-League bei Inter Mailand ran, das könnte ein Vorteil für Nürnberg sein. Der Club will zumindest daran glauben, Schommers sagte: "Ich wünsche der Eintracht das Weiterkommen - aber erst nach Verlängerung und Elfmeterschießen."