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Weihnachtslotterie in Spanien:Pilgerfahrt ins Glück

Dafür werden sowohl am 22. Dezember beim Sorteo de Navidad, der Weihnachtslotterie, sowie bei El Nino am Dreikönigstag etwa 2,2 Milliarden Euro ausgeschüttet. 75 Euro geben Spanier im Schnitt für beide Ziehungen aus - vom Baby bis zum Greis, denn eine Teilnahme ist quasi Volkssport.

Spielen muss jeder, und wer spielt, muss seine Nächsten an einem Los teilhaben lassen. Decimos über Decimos verteilen sich über Familie, Verwandte, Freunde, Kollegen, Vereinskameraden. Gabriel sagt: "Die größte Angst ist, abseits zu stehen, wenn der Cousin, der Kumpel oder dein Arbeitskollege gewinnt."

"La Bruixa d'Or hace realidad tu deseo", steht am Schalter von Gabriels Laden - "die Goldhexe macht Realität aus deinen Träumen." Und die Menschen glauben tatsächlich, dass sie ihre Hand im Spiel hat, wenn das ganze Land zweimal vor der Glotze sitzt und zuschaut, wie die Kugeln in einer zweieinhalb Meter hohen Lostrommel hüpfen.

Ein kollektiver Aufschrei bei El Gordo

Klickerdiklack, klickerdiklong, und dann verlesen Waisenkinder aus Madrid die Nummer und die Gewinnsumme. Stundenlang geht das so wegen der zahlreichen Preise, unterbrochen von einem kollektiven Aufschrei, wenn El Gordo, auf Deutsch "der Dicke", gezogen wird. Pro Decimo ist er immerhin noch 300.000 Euro wert. Und weil es üblich ist, dass jede Lottoannahmestelle überwiegend alle Serien einer Nummer aufkauft, wird unmittelbar im Anschluss bekannt gegeben, wo das siegreiche Los in Umlauf kam.

Als die Bruixa d'Or 1995 bei El Nino zum ersten Mal den Dicken gewann, posierte Gabriel mit dicker Zigarre, eine goldene Rolex am Handgelenk. Inzwischen hat er angeblich 5000 Interviews gegeben, macht landesweit Werbung, dreht Videos, lässt Songs produzieren.

Die Goldhexe reitet ihren Besen außerdem auf dutzenden "Productos de la Buena Suerte". Die Produkte des Glücks sind Sekt, T-Shirts, Feuerzeuge, Kekse, Kinderbücher. Täglich kommen bis zu 2000 Kunden, vor Weihnachten und um Sylvester sind es bis zu 5000. Gabriel erzählt von Russen, Amerikanern, Chinesen, sogar einem Tibeter; einmal habe ein Hund mit Geldscheinen im Maul Schlange gestanden.

Sie alle hoffen, Sorts Glück möge sich erneut einstellen, auch wenn sie wissen müssten, dass jedes Los, egal von welcher Losbude, die selbe Chance hat: 1:85.000. Dass die Bruixa d'Or häufig zu den Gewinnern zählt, hat seit einigen Jahren einen einfachen Grund. Sie verkauft über den Laden in Sort, ein Call Center und vor allem das Internet Lose im Wert von 110 Millionen Euro jährlich.

Das ist mehr als die Provinzen Kantabrien, La Rioja und Navarra zusammen. Gutes Marketing, sagt Gabriel, wenn man ihn um eine Erklärung bittet. Er habe nur, ergänzt er, nach dem ersten Treffer im richtigen Moment das Richtige gemacht: "Ich verkaufe den Traum von der perfekten Zahl, ich verkaufe ein Illusion, sonst nichts, es gibt kein Glück."

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