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Tunesien:Einsam in der Wüste

Allein in der Wüste: Mabrouk Benhacen und sein Dromedar Kleiner Prinz warten auf Gäste.

(Foto: Alexandra Feth)

Protokoll von Monika Maier-Albang

Mabrouk Benhacen, 42, lebt in einer kleinen Beduinen-Siedlung südlich der Oasenstadt Douz in Tunesien. Auf seinen Dromedaren führt er Urlauber in die Sahara.

"Jetzt ab Oktober wäre die Zeit der Deutschen. Da kommen sie besonders gern. Die Tage sind noch schön warm, aber nicht mehr zu heiß. Und die Nächte sind noch nicht zu kühl. Am Abend machen wir Lagerfeuer, das Wort kann ich sogar auf Deutsch. Meine Gäste lieben es, unter den Sternen zu schlafen. Manche legen sich nur auf eine Matte auf den Sand. Die meisten bevorzugen das Zelt. Wir bauen dann nur das Innenzelt auf, so hat man das Gefühl, direkt unter dem Himmel zu liegen. Ich fürchte nur, in diesem Jahr werden wieder kaum Gäste kommen. Wir haben ja seit Jahren ein Auf und Ab mit den Urlaubern, genauer gesagt eigentlich mehr ein Ab als ein Auf. Erst die Revolution, da hatten die Gäste Angst wegen der unsicheren politischen Lage. Dann die islamistischen Anschläge. Und nun Corona! Es ist schon sehr schwierig.

Was uns hilft, ist, dass wir im Familienverband leben. Wir können uns gegenseitig aushelfen. Und es geht uns hier auf dem Dorf besser als den Tunesiern, die in den Städten leben. Wir bauen Zwiebeln an, Kartoffeln, haben unser Gemüse und den Käse von unseren Ziegen. Aber viele tun sich mittlerweile schwer, ihre Dromedare weiter zu behalten. Jede Familie besitzt zwei oder drei. So viele braucht man auch für eine Tour mit Touristen. Im Winter muss man Heu zufüttern oder gemahlene Dattelkerne. Ohne Einkommen ist das schwierig. Viele hier haben schon ein Tier verkauft. Aber die Preise sind im Keller, es gibt ja keinen Markt, nur ein paar reiche Tunesier, die es sich leisten können, etwas zu kaufen.

Wir hoffen, dass wir bald wieder auf Touren gehen können. Es gibt ja praktisch keine Corona-Fälle bei uns. In unserem Dorf war gar niemand infiziert; im Nachbarort hatte jemand Corona, der hatte in Frankreich gearbeitet. Aber der Lockdown hier war streng, das Virus hat sich nicht ausgebreitet. Und ich mag es doch so gern, mit meinen Gästen in die Wüste zu gehen! Wir lieben die Natur, wir lieben es, sie herzuzeigen. Da ist eine ganz besondere Energie zwischen uns, der Wüste, den Gästen. Ich sage immer: In der Wüste, da kannst du durchatmen."

© SZ vom 03.09.2020

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