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Street-Art in Funchal auf Madeira:Türöffner für die Phantasie

Einst öffneten sich viele Türen in der Altstadt von Funchal für niemanden mehr, dann kam das Projekt eines Künstlers aus Madeira. Heute gehen angesichts der bemalten Eingänge in den Köpfen der Betrachter ganz andere Türen auf.

Susanne Popp

20 Bilder

Madeira Funchal Portugal

Quelle: arteportasabertas

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Dunkelrote Lippen, knallig grüner Nagellack und blonder Pagenkopf: Der durchdringende Blick der Frau mit den schwarzen Katzenaugen lässt Passanten innehalten. Mitten auf der Straße bleiben sie stehen, bestaunen das Bild auf den alten Holzleisten der Haustür Nummer 12. Denn Tore, Türen und Eingänge der Altstadt von Funchal ziert Street-Art in den verschiedensten Variationen. Eine Bilderreise durch die Hauptstadt der portugiesischen Atlantik-Insel Madeira.

Kunstwerk von Gil Nuno in der Rua dos Barreiros 12

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Quelle: Popp

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Einst führte der historische Stadtkern Funchals ein Schattendasein, viele der Häuser wurden verlassen und verfielen. Touristen flanierten auf der Promenade direkt am Meer entlang oder besuchten die Restaurants und Bars der modernen Neustadt. Die engen Kopfsteinpflastergassen rund um die Rua Santa Maria galten als Randzone.

Kunstwerk von John Gonçalves an der Haustür Rua Santa Maria 7A

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Quelle: arteportasabertas

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Seit dem Frühjahr 2011 verwandeln Künstler mit dem Projekt "Projecto artE pORtas abErtas" den historischen Stadtkern Funchals in ein Open-Air-Museum. Auf alten Hauseingängen mit abblätternder Farbe und rostigen Nägeln entstanden bisher mehr als 200 Kunstwerke.

Künstler Oleksander Gonchorov bei der Arbeit in der Rua de Santa Maria 147: Nach dem Modell eines bemalten Kindergesichts zeichnet er eine märchenhafte Geistergestalt.

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Quelle: arteportasabertas

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In der Rua Santa Maria begann der Künstler Marco Milewski mit der Gestaltung der ersten Haustür. Mit aufwendigen Techniken verwandelte er in wochenlanger Arbeit den Eingang Nummer 77 in ein dreidimensional wirkendes Bücherregal. 

Rua Santa Maria 77: Bemalung von Marco Milewski

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Quelle: Popp

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Wenige Meter weiter ging es schneller: Ein Vorhang aus Ketten hängt vor der schwarzen Fassade der Hausnummern 81 bis 83, die weiß umrahmten Fenster bilden einen scharfen Kontrast dazu. Am 9. April 2011 schuf Gonzalo Martins innerhalb eines Tages die wuchtige Installation.

Kunstwerk von Gonzalo Martins in der Rua Santa Maria 81 bis 83

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Quelle: arteportasabertas

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Die Idee, die vernachlässigten Hauseingänge der Altstadt mit Leben zu füllen, hatte José Maria Montero Zyberchema. Der Künstler versteht das "Projecto artE pORtas abErtas" als Aufruf: "Die Türen der Stadt Funchal sollten sich für Kunst und Kultur öffnen." Unterstützung für seinen Plan fand er unter anderem bei der Stadtverwaltung, die den Künstlern Farben und Materialien spendet.

Werk des Künstlers Antonio Machado in der Rua Santa Maria 17

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Quelle: arteportasabertas

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Vorbild für das Urban-Art-Projekt war das italienische Dörfchen Valloria in Ligurien, in der bereits 1994 die ersten Kunsttüren entstanden. In Funchal verwandelte der Künstler Gabriel Motta den tristen Hauseingang der "Travessa das Torres" ...

Hausnummer 1 in der Travessa das Torres vor der künstlerischen Intervention

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Quelle: arteportasabertas

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... mit Pinsel und Farbe in ein überlebensgroßes Porträt. Statt im komfortablen und gut ausgestatteten Studio arbeitete er mitten auf der Straße.

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Quelle: arteportasabertas

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Am Ende ist die Haustür zum Kunstwerk geworden. Zyberchema sagt zufrieden: "Wir wollen das Bewusstsein von Menschen verändern, die nicht daran gewöhnt sind, Kunst zu schätzen."

Travessa das Torres Nummer 1 von Gabriel Motta

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Quelle: Popp

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Mehr als 200 Haustüren und Fassaden sind in Funchal bis heute neu gestaltet worden. Dabei werden neben Malerei und Fotokunst auch Skulpturen, musikalische Elemente oder Videoinstallationen integriert.

Die Installation in der Rua de Santa Maria 103j von Cristina Sousa setzt den Umriss der Insel Madeira aus den Tasten einer Computer-Tastatur zusammen.

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Quelle: Sandra Löffler

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Bei der Wahl der Motive sind den Künstlern keine Grenzen gesetzt. Von knallig-bunten Häusern von Filipa Silva in der Rua Santa Maria Nummer 107 ...

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Quelle: arteportasabertas

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... über elegante Damen mit Hut in der Rua de Santa Maria 71 von Irene Quintal ...

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Quelle: arteportasabertas

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... bis zu an die Werke Banksys erinnernde Street-Art der Künstler Frederico und João ...

Street-Art in der Rua de Santa Maria 135 von Frederico und João

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Quelle: arteportasabertas

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... oder Jorge Rosa in der Rua dos Barreiros 13.

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Quelle: Sandra Löffler

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Malerei, Collagen und Strichzeichnungen machen jede Tür zum unverwechselbaren Unikat. Teilweise ergänzen Bewohner die Kunstwerke mit persönlichen oder sozialkritischen Texten und Gedichten.

Gestaltung der Rua do Corpo Santo 26 von Luisa Spinola

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Quelle: arteportasabertas

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Einige Gebäude der Altstadt sind mehr als 300 Jahre alt. Nicht alle begeisterten sich von Anfang an für die künstlerischen Aktivitäten, viele Kritiker befürchteten Vandalismus. "Ein Urban-Art-Projekt in einer denkmalgeschützten Gegend aufzubauen, war nicht einfach", erinnert sich Zyberchema.

Rua de Santa Maria 7: Kunstwerk von Elena Santo

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Quelle: Popp

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Denn mitmachen kann beim "Projecto artE pORtas abErtas" - mit Genehmigung der Anwohner und Stadtverwaltung - grundsätzlich jeder.  Diese Offenheit stieß bei einigen einheimischen Künstlern auf Kritik; sie wollten nicht mit weniger renommierten Kollegen oder Hobbymalern in eine Reihe gestellt werden.

Rua Santa Maria 64: Collage aus Bildern und Gedichten von Elena Santos

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Quelle: arteportasabertas

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Heute steigt die Zahl der Beteiligten stetig an. Längst hat der touristische Erfolg des Projektes die Skeptiker überzeugt: Ergänzend zu den Hauseingängen finden Ausstellungen statt oder werden kreative Kurse abgehalten.

Gil Nuno bei der Bemalung der Rua dos Barreiros 12

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Quelle: arteportasabertas

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"Mittlerweile verlässt niemand die Insel, ohne die Türen fotografiert zu haben. Sie sind ein Symbol Funchals geworden", sagt José Maria Montero Zyberchema.

Rua Santa Maria 66: Gestaltung von Emanuel Aguiar Vaz

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Quelle: SZ

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Informationen:

Madeira ist eine Autonome Region Portugals und liegt im Ostatlantik, 950 Kilomemeter südwestlich von Lissabon und 710 Kilometer westlich von Kap Beddouza in Marokko.

Klima: Die Vulkaninsel ist wegen ihres milden Klimas Ganzjahresziel. Im Winter sind es durchschnittlich 16 Grad, im Sommer 22 Grad.

Anreise: Die Flugdauer von Deutschland nach Madeira beträgt rund 3,5 Stunden. Madeira ist außerdem Station für viele Kreuzfahrtschiffe, die auf dem Atlantik unterwegs sind.

Rua Santa Maria: Die Straße zieht sich, etwas zurückgesetzt vom Meer, quer durch den historischen Kern der Hafenstadt Funchal. Sie zweigt ab von der Rua Profetas. Bemalte Hauseingänge sind nicht nur hier zu finden, sondern auch in den umliegenden Gassen.

© Süddeutsche.de/dd/lala
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