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Städtetourismus :Fast der echte Viktualienmarkt

Pressefoto Ludwig & Lola Stadtführungen in München

Synthia Demetriou und Tobias Röckl bieten virtuelle Stadtführungen durch München an.

(Foto: Ludwig & Lola)

Zwei Stadtführer organisieren virtuelle Gruppen-Touren durch München.

Von Laura Schwärzler

Auf den Käse vom Viktualienmarkt würden sie nie verzichten, den müssen ihre Gäste kennenlernen. Und wenn es, wie momentan, real nicht geht, dann zeigt der Stadtführer Tobias Röckl ihn wenigstens im Video. "Lieber läuft einem online das Wasser im Mund zusammen als gar nicht!"

Seit einigen Monaten bieten Tobias Röckl und Synthia Demetriou unter der Marke Ludwig & Lola virtuelle Stadtführungen durch München an. Den Händedruck, sagt Demetriou, könne das Digitale nicht ersetzen, jedoch sei es eine Chance, dass Leute trotz Entfernung zusammenkommen. Zu den Gästen zählen bislang Studierende, die neu in der Stadt sind, Schulklassen - es hat auch schon eine griechische angefragt -, Familien und Firmen. Je nach Gruppe zeigen die Guides die beste Bar, klären darüber auf, dass Schweinshaxe in Bayern kein Grundnahrungsmittel ist, oder informieren über das KZ Dachau.

Damit niemand auf der Couch eindöst, böten sie einen "Mix aus Geschichte und Geschichten" an, sagt Röckl. Die Teilnehmer können, wie bei normalen Führungen auch, Fragen stellen - etwa zur heiligen Munditia. Manchmal stimmt Röckl das Lied vom "Alten Peter" auf der Ukulele an: "Es entsteht das Gefühl, als säßen wir gemeinsam im Raum." Für ihre virtuellen Touren nutzen die Stadtführer die Greenscreen-Technik; ihre Zuschauer sehen also die Guides und zugleich im Hintergrund Videos oder Standbilder. In Foren und durch Gaming-Videos haben sich die beiden das Wissen dazu angeeignet. So sitzen sie jetzt scheinbar nebeneinander vor einer Holzwand mit Hirschkopf, der Stimmung wegen, und spazieren mit ihren Gästen durch die Stadt. Bei normalen Führungen hat Röckl eine Mappe dabei mit Stadtplan von 1812, als es das Schwabinger Tor noch gab. Röckl hofft, sie bald wieder verwenden zu können.

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© SZ vom 19.11.2020/edi
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