Sinnsuche auf Bali "Das wird ein Alptraum"

Reisen nach Asien

Singapur bei Nacht

Scott hat eine andere Idee: "Ich stelle mich am Flughafen in die Ankunftshalle, in der Hand ein Schild: 'Geschiedene Amerikanerin, hier bin ich!'", sagt er und lacht trocken.

Scott hat dunkle Haare, britischen Humor, er ist Single und, nun ja, annäherungswillig. Wir sitzen am runden Stammtisch im "Naughty Nuri's". Hier treffen sich die Expats, Ausländer, die sich in Bali vom Leben anderswo erholen. Auch Scott ist Mitte dreißig, in England war er ein erfolgreicher Restaurantleiter, jetzt vermietet er eine Luxusvilla. Ein Job weit unter seinem Espritlevel, dafür hat er nun Zeit.

Keiner, der hier am Tisch sitzt, an dem auch schon Gilbert mit ihrem Felipe saß und trank, hat das Buch gelesen. Geflucht wird darüber trotzdem. Im Lokal, das hier Warung heißt, vom offenen Grill ganz benebelt, hängt ein "Eat-Pray-Love"-Cover an der Wand, allerdings in abgewandelter Form: "Eat, Pay, Leave" - iss, zahl, geh.

"Ich mache mir Sorgen um Bali", sagt der weißbärtige Brian Kenney Aldinger, der zusammen mit seiner indonesischen Frau Nuri das Lokal betreibt, für welches das Wort Restaurant eine Übertreibung wäre. Auch Fünf-Sterne-Verwöhnte sitzen hier an wackligen Holztischen im Grillgetöse und warten auf die formidablen Martinis und Spareribs. "Die Infrastruktur Balis ist nicht angelegt auf so einen Besucheransturm. Die Straßen sind für Mopeds und nicht für Busse gemacht. Das wird ein Albtraum."

Während der Dreharbeiten in Ubud wollte auch Julia Roberts mit ihrer Entourage bei Brian und Nuri essen. Doch das kleine Lokal war übervoll. Frau Roberts musste woanders hin. Brian erzählt das sehr stolz.

Bei Ketut, dem Heiler, werden die Touristinnen mittlerweile kleinbusweise abgeladen. Hier sieht man die Armut der Sechs-Sterne-Hotel-Insel, halbverfallene Häuser, Müll und Kinder, die uns mit großen Augen anstarren. Ketut ist ziemlich alt, wie alt, weiß keiner. Elizabeth Gilbert hat er jedenfalls an Yoda aus der "Star-Wars"-Reihe erinnert. Ihr hat er vorhergesagt, dass in ihrem Leben erst mal vieles noch ein wenig fieser, dann aber alles besser wird.