Selbstversuch Billig-Fernbus Vor- und Nachteile der Fernbusse

Vorteil 1: der Preis

Auch Flug und Zug sind inzwischen bezahlbar - allerdings nur, wenn man früh genug bucht (und eine Bahncard hat, zusätzlich den Sparpreis erwischt, den frühesten Flug nimmt etc.). Fernbusse hingegen lassen sich noch eine halbe Stunde vor der Abfahrt völlig problemlos online buchen. Und zwar ohne Aufpreis. Wobei bei vielen Anbietern gilt: Die Nachfrage bestimmt das Preisangebot - je ausgebuchter ein bestimmter Bus ist, zum Beispiel vor Feiertagen, desto teurer werden die wenigen noch freien Plätze.

Dennoch: Für bisher in der Regel 20 bis 30 Euro fährt man mit dem Fernbus von München nach Berlin. Zum Vergleich: Fliegen kostet das Drei- bis Zehnfache, Zugfahren das Doppelte bis Fünffache.

Vorteil 2: der Kundenservice

Ich erfahre eine halbe Stunde vor der Abfahrt, dass ich doch nicht fahren will, kann oder muss. Beim Fliegen wäre ich dann längst eingecheckt, also am oft weit außerhalb gelegenen Flughafen, und der Flugpreis wäre futsch. Mit der Bahn kann ich zwar in Verhandlungen eintreten, deren Ende ist aber offen. Normalerweise zahle ich fürs Umbuchen drauf, je nach Ticketart sogar erheblich.

Bei Meinfernbus habe ich erlebt, dass ich 20 Minuten vor Abfahrt noch telefonisch die Fahrt stornieren und ohne Aufpreis eine Gutschrift für eine neue Fahrt erhalte - und dafür keinen Finger rühren muss. Die freundliche Dame am Telefon erledigte alles sofort. Das schlägt alle bisherigen Erfahrungen mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln um Längen.

Vorteil 3: die Flexibilität

Je nach Anbieter lässt sich nach vorheriger Registrierung der Fernbus übers Smartphone buchen - schnell, unkompliziert, ohne Kreditkarte. Das geht bei der Bahn zwar auch, aber das Umbuchen ist schwieriger. Einen Flug ohne Kreditkarte zu buchen, ist nur bis spätestens eine Woche vorher möglich. Die große Ausnahme bei den Bussen: der neue Anbieter "Megabus". Ausgerechnet der billigste von allen bietet als Zahlungsoption nur die Kreditkarte an.

Nachteil 1: die Beinfreiheit

Die Busse können noch so neu sein: Die Beinfreiheit ist immer stark eingeschränkt, besonders für große Menschen. Das ist im Flieger zwar genauso, aber da dauert die gleiche Strecke natürlich nicht so lang. Im Zug kann man immer aufstehen und im Bestfall im Restaurant sitzen, wo viel mehr Platz ist und es ganz normale Tische gibt, an denen man arbeiten oder in Ruhe essen und lesen kann.

Nachteil 2: die Toilette

Alle Reisetoiletten sind eklig. Aber die im Bus sind ganz besonders notdürftig eingerichtet, auch die in den neuen Bussen. Das macht eine Sieben-Stunden-Fahrt unter ohnehin ungemütlichen Bedingungen nicht angenehmer. Zwar gibt es immer den Stop an der Raststätte. Aber bis dahin muss man es eben aushalten.

Nachteil 3: die Mitfahrer

In keinem anderen öffentlichen Verkehrsmittel kommen einem wildfremde Menschen auf Dauer so nahe wie im Bus. Das kann erfrischend sein, wenn die Nebensitzerin sich als großartige Gesprächspartnerin herausstellt, die auch nach Stunden nicht langweilig wird - schon erlebt. Es kann aber auch die Grenzen des Erträglichen sprengen: Nebensitzer, die sieben Stunde lang die Nase hochziehen, ohne es zu merken, und auch durch dauerkichernde Schülerinnen nicht davon abgehalten werden, ihre Ticks ungefiltert lautstark durch den ganzen Bus zu verbreiten. Ständiges Niesen, Rülpsen und Husten können eine enorme Herausforderung für die Umsitzenden sein. Und die Busse sind oft voll - das heißt: mitgefahren, mitgehangen.