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Rügen:Ufo in den Dünen

Binz auf Rügen ist bekannt für seine hübsch renovierte Bäderarchitektur. Dabei sind in den letzten Jahrhunderten ringsherum viel staunenswertere Gebäude entstanden.

Es war schon eine bizarre Idee von Fürst Wilhelm Malte zu Putbus, einen Badeort mitten im Landesinneren zu bauen. Dabei besitzt Rügen, die größte deutsche Insel, mit ihrer Fläche von 926 Quadratkilometern eine Küstengesamtlänge von immerhin 574 Kilometern, die von zahlreichen Meeresbuchten, Bodden oder Wieken sowie vorspringenden Halbinseln und Landzungen stark zergliedert wird.

Ostsee

Architekturüberraschungen auf Rügen

Putbus jedoch, Fürst Wilhelm Maltes Stadtgründung, liegt zwei Kilometer von der Bodden- und etwa zehn Kilometer von der Ostseeküste entfernt.

Kein Wunder, dass schon zu seinen Lebzeiten kaum Badegäste kamen. Und nicht einmal der Besuch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. konnte daran etwas ändern. 1846 ließ er sich so ankündigen: "Ich komme Ihnen wieder mit einer kleinen Völkerwanderung über den Hals, da Sie, lieber Fürst, nun das Unglück haben, den schönsten Teil der Insel zu bewohnen und das Unglück gehabt haben, daraus ein irdisches Paradies zu machen".

Selbst die fürstliche Anweisung, die 16 zwischen 1828 und 1845 erbauten klassizistischen Gebäude, die einen Circus mit Obelisk in der Mitte rahmen, das Theater, Hotels, eine Schule, das Badehaus und den Musikpavillon, Bäckerladen und Handwerkerwohnungen "einmal im Jahr zu weißen und auf den Bürgersteigen Rosenstöcke zu pflanzen", hielt den Niedergang des wahrscheinlich ungewöhnlichsten Badeortes Deutschlands nicht auf - wirtschaftlich war das ehrgeizige Projekt "in den Sand gesetzt".

Dabei kannte der Fürst sich durchaus aus am Strand: 1830 bereits ließ er im ebenfalls gut zehn Kilometer entfernten Binz an der Ostküste der Insel Badehütten am breiten, feinsandigen und brandungsschwachen Strand erbauen.

1876 wurde dann das erste Hotel in dem ehemaligen Fischerdorf eröffnet, 1888 gründeten vier Berliner Millionäre die "Actiengesellschaft Ostseebad Binz". Sie bauten damals direkt am Meer ein Kurhaus, die Promenade, die Seebrücke und Pensionen.

Erstaunlicherweise verstand jedoch auch die Aktiengesellschaft nicht zu wirtschaften, sie meldete 1891 Konkurs an. Binz jedoch hatte damals schon dem bis dahin erfolgreicheren Ostseebad Sassnitz den Rang abgelaufen und ist auch heute noch das größte Seebad auf Rügen. Vor allem aber besitzt der Ort die besterhaltenen historischen Bauten aus der damaligen Zeit.

Ebenso wie die Anlage von Putbus sind die Binzer Beispiele der sogenannten Bäderarchitektur inzwischen hübsch herausgeputzt. Einen eigenen Architekturstil allerdings besitzen die schmucken Häuser nicht. Viel eher bedienen sich die Fassaden der Villen, die sich die Promenade entlangziehen, aller damals bekannten Moden der Baukunst. Luftig wirken die Pensionen, die "Villa Glückspilz" heißen, "Baltik", "Sirene" oder "Haus Heiderose".

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