Reisebuch "China. Der illustrierte Guide":Mit Power durch Peking

Lesezeit: 2 min

Reisebuch "China. Der illustrierte Guide": Kulinarisch kann China für westliche Besucher mitunter eine spannende Herausforderung sein.

Kulinarisch kann China für westliche Besucher mitunter eine spannende Herausforderung sein.

(Foto: Sabrina Ferrero/Prestel Verlag)

China ist komplex und exotisch. Die Autorin Giulia Ziggiotti und die Grafikerin Sabrina Ferrero bringen in ihrem Buch die Fülle der Eindrücke in eine überschaubare Ordnung.

Rezension von Stefan Fischer

So groß die geografische Entfernung auch ist: China werde "wirtschaftlich und kulturell immer präsenter" in unserem Alltag, schreibt Giulia Ziggiotti zutreffend in der Einleitung ihres Bandes mit dem schlichten Titel "China". Die demnächst beginnenden Olympischen Winterspiele in Peking werden diese Entwicklung gewiss noch einmal verstärken.

Gemessen an der geopolitischen Bedeutung Chinas sei das Wissen über das Land im Westen jedoch unterentwickelt, suggeriert Ziggiotti, die seit rund zehn Jahren in China lebt. Anlass für sie, gemeinsam mit der Grafikerin Sabrina Ferrero für etwas Aufklärung zu sorgen. Ihr "illustrierter Guide", so die selbst gewählte Genre-Benennung, soll Leserinnen und Leser in dieses Land hineinlotsen, vertrauter machen mit seiner Geschichte und Gesellschaft.

Reisebuch "China. Der illustrierte Guide": Nördlich der Verbotenen Stadt gibt es eine Reihe von Seen, auf denen Bewohner Pekings zu jeder Jahreszeit ihre Freizeit verbringen.

Nördlich der Verbotenen Stadt gibt es eine Reihe von Seen, auf denen Bewohner Pekings zu jeder Jahreszeit ihre Freizeit verbringen.

(Foto: Sabrina Ferrero/Prestel Verlag)

Hundert Themen haben die beiden gewählt und präsentieren jedes davon auf jeweils einer Doppelseite. Platz genug für ein paar Informationen sowie Illustrationen, die das von Ziggiotti Beschriebene entweder veranschaulichen oder noch ergänzen. Die beiden starten in der Hauptstadt Peking, sie lassen das Bekannte nicht aus, etwa die Verbotene Stadt, den Sommerpalast und den Himmelstempel. Kommen immer wieder aber auch auf Dinge zu sprechen, die nicht ohne Weiteres geläufig sind. So funktioniert die Orientierung in Peking sehr gut anhand der Himmelsrichtungen, noch heute sind beispielsweise die Ausgänge der U-Bahnhöfe nach ihnen benannt. Durch die Verbreitung von Smartphones und Kartendiensten verliert diese Fertigkeit jedoch an Bedeutung.

Reisebuch "China. Der illustrierte Guide": Schon seit der Kaiserzeit verschenkt China Pandabären an ausländische Mächte zur Pflege diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen.

Schon seit der Kaiserzeit verschenkt China Pandabären an ausländische Mächte zur Pflege diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen.

(Foto: Sabrina Ferrero/Prestel Verlag)

Das ist eine stärkere Seite des Buches: Ziggiotti und Ferrero bleiben nicht in den Traditionen haften, sondern erzählen immer wieder auch die gewaltigen Umbrüche mit, die das Land erfasst haben. So verweisen sie darauf, dass die Harmonielehre Feng Shui längst auch ein Millionengeschäft ist und auf dem bei Touristen zunehmend beliebten Pekinger Flohmarkt Panjiayuan immer weniger Gebrauchtes angeboten wird, stattdessen vermehrt extra dafür produzierter Ramsch. Mit keinem Wort erwähnt Ziggiotti im Kapitel über ethnische Minderheiten allerdings deren mitunter brutale Unterdrückung, im Tibet-Eintrag fehlt jeder Verweis auf die brachialen Transformationsprozesse dort, die die buddhistische Kultur an den Rand drängen.

Am Ende hat man hundert Häppchen vorgesetzt bekommen, die China auf viele kleine Informationen herunterbrechen. Landeskunde im Twitter-Format. Um tatsächlich davon zu profitieren, muss man schon sehr wenig über China wissen.

Giulia Ziggiotti, Sabrina Ferrero: China. Der illustrierte Guide. Aus dem Italienischen von Barbara Neeb und Katharina Schmidt. Prestel Verlag, München 2021. 220 Seiten, 24 Euro.

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