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Reise-Knigge für Frankreich:Oh, mon Dieu!

Ihr Auftritt kommt bei den Franzosen nicht wirklich gut an? Dann lassen Sie doch ein paar Fettnäpfchen aus.

So amüsant wie mit Louis de Funès (im Bild links) als "Der Gendarm von Saint Tropez" verlaufen die Begegnungen mit der französischen Polizei eher selten. Das geht schon bei der Anreise mit dem Auto los: An Radarfallen herrscht kein Mangel, Tempolimits werden streng kontrolliert. Ist der Fahrer viel zu schnell unterwegs, droht Führerscheinentzug - an Ort und Stelle. Hat kein Mitreisender einen gültigen Führerschein dabei, wird das Fahrzeug beschlagnahmt.

(Foto: Foto: obs)

Die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen liegt bei 130 Stundenkilometern, auf Landstraßen und in Ortschaften sind 90 beziehungsweise 50 Stundenkilometer erlaubt. Tempoüberschreitungen werden ab 20 km/h mit Bußgeldern ab 90 Euro geahndet und gern sofort kassiert.

Oh, mon Dieu!

Dieselben strengen Regeln gelten für den Straßenverkehr in Städten. So wird es kaum passieren, dass Ihnen ein Franzose die Vorfahrt nimmt oder die Ampelphasen missachtet. Stopp! In die letzten beiden Sätze haben sich gleich mehrere Fehler eingeschlichen. Machen Sie sich zumindest in den Großstädten auf chaotische Verkehrsverhältnisse mit zum Teil zehnspurigen Blechlawinen gefasst und wundern Sie sich nicht, wenn ein Polizist (!) Sie als Fußgänger bei Rot über die Straße winkt.

(Foto: Foto: Reuters)

Falschparken gilt den Franzosen als Kavaliersdelikt und besonders vor Wahlen bezahlen viele ihre Strafzettel nur verspätet oder überhaupt nicht: Nach alter "republikanischer" Tradition hoffen sie auf eine Amnestie für Bagatelldelikte.

Autofahrer mit ausländischem Kennzeichen sind noch bis nächstes Jahr auf der sicheren Seite: Wird nicht gezahlt, passiert erst mal nichts. Allerdings könnte es bei Ihrem nächsten Frankreich-Besuch Probleme geben - etwa wenn Sie in eine Verkehrskontrolle geraten oder in einen Unfall verwickelt werden. Ab März 2007 sollen Bußgeldbescheide aus anderen Staaten der Europäischen Union auch von deutschen Behörden vollstreckt werden.

Bahn-Reisende sollten sich nicht gedankenlos in den Zug setzen: Alle Gepäckstücke müssen mit Adressanhängern versehen sein, sonst werden sie vom Bahnpersonal konfisziert.

(Foto: Foto: ddp)

Apropos Bahn: Passen Sie in der Pariser Metro gut auf Ihre Wertsachen auf, gerade tagsüber werden im Gedränge oft Touristen beklaut. Wertsachen also am besten direkt am Körper tragen, vor allem Rucksäcke bekommen mittels Taschenmesser eine zweite Öffnung verpasst und blitzschnell ist die Börse weg. Benutzen Sie die Klappsitze nur, wenn die U-Bahn leer ist - Breitmachen in überfüllten Zügen wird nicht gerne gesehen. Genauso wenig wie das Taxi-Fahren auf dem Beifahrersitz: Bitte steigen Sie im Taxi immer hinten ein. Für das Trinkgeld runden Sie den Betrag etwas auf.

Oh, mon Dieu!

(Foto: Foto: ddp)

Stürzen Sie beim Restaurant-Besuch nicht einfach auf den nächsten freien Tisch zu - ein Kellner wird Sie gerne geleiten. Für die Tischmanieren gilt: Lieber zu viel als zu wenig, dabei aber nicht gleich verkrampfen! Haben Sie sich beispielsweise für Geflügel entschieden, benutzen Sie keinesfalls, wie in Deutschland erlaubt, die Hände zum Verzehr, sondern Messer und Gabel.

Direkt leger ist dagegen der Umgang mit dem Baguette: Statt abzuschneiden, brechen Sie sich einfach ein Stück ab. Auch die Sauce damit aufzutunken, gilt nicht als unschicklich, muss aber in gehobeneren Restaurants nicht unbedingt sein.

Sind Sie zu mehreren unterwegs, kommen Sie nicht auf die Idee, getrennt zu bezahlen - hochgezogene Augenbrauen und zeitintensives Zusammenzählen sind die harmlosesten Konsequenzen. Meist lädt einer die ganze Runde ein. Ansonsten wird die Rechnung nach der Zahl der Personen aufgeteilt und nicht danach, wieviel jeder einzelne gegessen hatte. Eine einheitliche Regelung für das Trinkgeld gibt es nicht: Falls Ihnen das Essen gemundet und der Service gefallen hat, lassen Sie einfach ein paar Münzen auf dem Tisch zurück.

Ein Tipp für Geschäftsessen: Während des mehrgängigen Menüs sprechen Sie über alles, nur nicht übers Business. Zu den wirklich wichtigen Themen kommen französische Geschäftsleute erst beim Kaffee.

Oh, mon Dieu!

(Foto: Foto: Reuters)

Sieht vertraut und entspannt aus, wie der ehemalige Staatspräsident Jacques Chirac (damals in seiner Amtszeit) mit seiner Frau Bernadette aus dem Auto grüßt. Seit über fünfzig Jahren sind die beiden verheiratet - und sprechen sich, wie viele Ehepaare in Frankreich, gegenseitig immer noch mit einem höflich-steifen "Sie" an. Mit dem "Du" ist es so eine Sache: In der Regel wird es erst nach langem Anlauf gewährt. Spontanes Duzen finden gerade ältere Franzosen impertinent.

Auch im täglichen Umgang wird großen Wert auf Höflichkeit gelegt, die zusätzlichen Anreden "Monsieur" oder "Madame" sind üblich bei Begrüßungen, Verabschiedungen, eigentlich immer. Selbst bei schlichten Antworten gehört es dazu: "Oui, Madame."

Oh, mon Dieu!

(Foto: Foto: AP)

Auch wenn sich das legendäre Blumengebinde, das Frankreichs Topmodel Laetitia Casta für Yves Saint Laurent präsentierte, nicht recht entscheiden konnte zwischen Hochzeitskleid und Bikini, verrät es doch ein wichtiges Prinzip französischer Eleganz: Andeuten ist besser als zeigen. Oben-ohne ist zwar an den meisten französischen Stränden erlaubt, FKK aber nur an extra ausgewiesenen Stränden. In Korsika kostet das Ablegen des Oberteils bis zu 150 Euro Strafe, FKK ist ganz verboten. Im Zweifelsfall ziehen die Franzosen einen sexy Bikini unverhüllten Formen vor.

(Foto: Foto: Reuters)

Oh, mon Dieu!

Dass dies eine private Begegnung und obendrein zu einem festlichen Anlass ist, muss eigentlich nicht erwähnt werden. Und dennoch: Auch Sie werden vielleicht in die Situation kommen, die landesweit üblichen Küsse auszutauschen, bei der Begrüßung etwa. "Faire des bisou" heißt das Spiel, bei dem sich die Beteiligten zwar näher kommen, aber nicht berühren. Das umgangssprachliche "Bisou" kommt vom französischen Wort "le bise", was "Windhauch" bedeutet und keinesfalls "aneinandergedrückte Wangen". In der Regel haucht man zwei Luftküsse über die Schulter des Gegenübers, je nach Region können es auch schon mal vier sein. Falls Ihnen das zuviel körperliche Nähe ist: Hände werden in Frankreich gedrückt und nicht geschüttelt.

© sueddeutsche.de

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