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Milliardäre auf Reisen:Ganz schön abgehoben

Boeing: BBJ Interior Concept

Erinnert nur noch entfernt an ein gewöhnliches Flugzeug-Inneres: eine Boeing mit Lounge-Feeling

(Foto: Boeing)

Economy-Sitze in engen Reihen, Minimalkomfort und eintöniges Airline-Design - das ist nicht nur für Passagiere ein Graus, sondern auch für Flugzeugbauer. Airbus und Boeing setzen daher auf eine neue Zielgruppe: die Superreichen.

Seine Knie scheuern am Sitz des Vordermanns. Der Kopf des müden Flugreisenden sackt ständig haltlos zur Seite weg. Ungeduscht mampft er in den engen Reihen pappigen Fraß von beigefarbenen Tabletts. Willkommen in der Hölle des modernen Airline-Betriebs.

Unvergessliche Flüge

"Beten Sie lieber!"

Auch den Flugzeugherstellern ist der ein Graus. Wer produziert schon gern schnöde Massenware, wenn er auch erlesenen Luxus fertigen kann? Airbus und Boeing, die großen der Branche, setzen zunehmend auf eine neue Zielgruppe: die Superreichen dieser Welt.

Schon seit Ende der Neunzigerjahre bauen die Flugzeughersteller auf Wunsch Sofas und Entertainment-Center in Linienmaschinen ein, berichtet das US-Magazin Wired. Doch angesichts der wachsenden Gruppe der Milliardäre aus Russland, dem Mittleren Osten und China bekomme dieser Geschäftszweig eine ganz neue Bedeutung.

Studie erforscht neue Zielgruppe

Airbus hat eigens eine Studie in Auftrag gegeben, die sich den Vorlieben und Reisegewohnheiten der Milliardäre widmet und den schlichten Titel "Billionaires Study" (Milliardärs-Studie) trägt. Vier Grundbedürfnisse kristallisieren sich darin heraus: "Milliardäre wollen Privatsphäre, Flexibilität, eine familiäre Atmosphäre und maßgeschneiderte Erlebnisse." Das dürfte nun auch für den Economy-Fluggast in der Linienmaschine zutreffen. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass diese Wünsche erst mit einigen Milliönchen auf dem Konto erfüllbar werden.

Weiche Ledersessel, King-Size-Bett, Mahagoni-Vertäfelung, Spa-Bereich - alles ist möglich. Airbus und Boeing bieten eigene Luxusausstattungslinien an, verkaufen jedoch auch Maschinen mit leerem Korpus, in dem Bonzen und Oligarchen den Innenausstatter ihres Vertrauens schalten und walten lassen können. Wired beziffert den Preis für das persönliche Blanko-Flugzeug auf etwa 80 Millionen US-Dollar für eine Boeing 737 und auf bis zu 300 Millionen für einen ganzen A380.

ILF KBL 787-8 ZA586 143; Airbus Corporate Jets zeigt den ACJ319 ILF KBL 787-8 ZA586 143 Interior Photos K66061-01; Boeing Business Jets liefert die ersten BBJ 787-8s in 2014

Ein leerer BBJ 787-8: viel Platz für Superreiche, um die eigenen Ausstattungswünsche wahr werden zu lassen.

(Foto: Patrick Rodwell / Boeing)

Zielstrebig, intelligent, serviceorientiert

Individuell anpassbar - das ist ein Zauberwort im Luxus-Reisegeschäft. Denn kein Milliardär ist wie der andere, zeigt die Airbus-Studie. Auch wenn alle Milliardäre "enorm zielstrebig, ausnahmslos besonders intelligent und immer serviceorientiert" seien, ergäben sich doch einige Unterschiede.

Sind die Öl-Scheichs des mittleren Ostens gern mit dem ganzen Familien-Clan auf Reisen, bevorzugen chinesische Multimillionäre Reiseziele in der Region. Im Privatjet geht es dann nach Macao oder Singapur zum Casino- und Partywochenende. Russlands Geldelite zeigt gern, was sie hat - der nötige Blingbling-Faktor darf sich dann gern auch an Bord widerspiegeln. Und im mit Swarovski-Kristallen besetzten Sideboard.

Boeing: BBJ Interior Concept

Auch wer mit der Großfamilie unterwegs ist, muss nicht auf Komfort verzichten - jedenfalls nicht, wenn der Kontostand stimmt.

(Foto: unknown; Boeing)

Wer es geschafft hat, auf seinem stinknormalen Langstreckenflug zumindest kurzzeitig eine einigermaßen bequeme Position einzunehmen, weiß jetzt zumindest, wovon er träumen kann.