Fahrradfahren in Israel:Reise nach Jerusalem

Zum 60. Geburtstag schenkt sich Israel einen 120 Kilometer langen Radweg. Er wird Tel Aviv und die Hauptstadt miteinander verbinden und soll als internationale Attraktion auch Fahrradtouristen anlocken.

Thorsten Schmitz

Seit Beginn der Feiern zum sechzigsten Geburtstag Israels werden alle paar Tage neue Geschenke aus dem Hut gezaubert. Popkonzerte, Staatsbesuche, Städtepartnerschaften. Von bleibendem Wert dürfte das Geschenk sein, das sich Israel nun selbst macht: ein 120 Kilometer langer durchgehender Fahrradweg, der die beiden größten Städte Tel Aviv und Jerusalem miteinander verbinden soll.

Fahrradfahren in Israel, Staatliches Israelisches Verkehrsbüro
(Foto: Foto: Staatliches Israelisches Verkehrsbüro)

Finanziert zu großen Teilen vom Jüdischen Nationalfonds Keren Kajemet Leisrael (KKL), der außerdem für die Begrünung Israels zuständig ist, und dem israelischen Tourismusministerium, will Israel damit seine Vorreiterrolle beim Radeln im Nahen Osten ausbauen. In einem Land, in dem Wasser-, Friedens- und Rohstoffmangel herrscht, war die Frage nach vernünftigen Radwegen bislang stiefmütterlich behandelt worden. Seit ein oder zwei Jahren jedoch erlebt das Fahrradfahren in Israel einen regelrechten Boom.

Radeln für den Frieden

In Tel Aviv sind bereits ganze Straßenzüge mit Fahrradwegen miteinander verbunden; um den See Genezareth im Norden Israels kann man ebenso radeln wie in der hügeligen Hafenstadt Haifa im Norden des Landes. Auch die israelische Protestkultur hat das Zweirad für sich entdeckt. Geradelt wird für die Freilassung des vor zwei Jahren in den Gaza-Streifen verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit, für mehr Grünflächen und immer im Winter am Ufer des Toten Meeres für Frieden mit den Palästinensern.

Die 120 Kilometer lange Route zwischen dem flach am Mittelmeer gelegenen Tel Aviv und dem auf 700 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Jerusalem soll bereits in einem halben Jahr betriebsbereit sein. Sie führt durch Wälder, in denen man noch rostige Panzer der jordanischen Armee bestaunen kann, und beinhaltet mehrere Aussichtspunkte, an denen man zur Not Reifen aufpumpen und leere Wasserflaschen auffüllen kann.

In fünf bis neun Stunden am Ziel

Das 300.000 Euro teure Projekt soll zu einer "internationalen Attraktion für Fahrradtouristen" werden, schwärmt Efi Stenzler vom Jüdischen Nationalfonds. Er schätzt, dass geübte Radler die Strecke in fünf oder in neun Stunden bewältigen können, je nachdem, ob sie bergauf oder bergab fahren.

Besucher sind immer wieder erstaunt über die geringe Distanz zwischen den beiden Städten, die man an (seltenen) staufreien Tagen in 45 Minuten mit dem Auto bewältigen kann. Israel ist dagegen bis heute nicht imstande, eine Schnellzugstrecke zwischen den Metropolen zu errichten, die die Fahrtzeit sogar auf eine halbe Stunde drücken und die Umwelt entlasten könnte. Zur Zeit verkehrt nur ein Bummelzug von Tel Aviv nach Jerusalem, der zwei Stunden für die Fahrt braucht.

© SZ vom 23.07.2008/lpr
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