Bahnländer Schweiz, Frankreich und Großbritannien Großbritannien: Schlusslicht in Europa

Züge passieren das Kraftwerk Battersea auf dem Weg zur Londoner Victoria Station.

(Foto: REUTERS)

Die britische Eisenbahn hat einen legendär schlechten Ruf. Den hat sie sich insbesondere nach der Privatisierung im Jahr 1993 redlich erarbeitet. Tiefpunkt war ein Unfall im Jahr 2000: Bei Hatfield entgleiste ein Zug, vier Menschen starben. Unfallursache waren marode Gleise.

Weil damals zu recht Befürchtungen bestanden, an verschiedensten Stellen im gesamten Netz könnten ähnlich marode Gleise liegen, wurden 1200 Tempolimits verhängt. Mehr als ein Jahr lang kam es in der Folge zu Verspätungen und Ausfällen im Zugverkehr.

Mittlerweile hat sich die Lage normalisiert, die Zahl der Bahnkunden steigt seit Jahren. Es gilt jedoch als unklar, ob das an der Privatisierung liegt oder daran, dass zum Beispiel Benzin so teuer geworden ist.

Eine jüngst veröffentlichte Studie des Thinktanks "Just Economics" stellt der britischen Bahn dennoch kein gutes Zeugnis aus. Im europäischen Vergleich schneide Großbritanniens Zugverkehr bei Preisen, Effizienz und Komfort am schlechtesten ab.

Tatsächlich sind Zugtickets im Land im Schnitt 30 Prozent teurer als in Frankreich, den Niederlanden, Schweden oder der Schweiz - die Betriebskosten liegen sogar um 40 Prozent höher als in den genannten Ländern. Lediglich in einem Punkt ist Großbritannien besser als die Konkurrenz: Die Züge fahren öfter.

Allerdings könnte sich auch das ändern. Im März 2013 hat die Regierung Pläne vorgestellt, wie sie bis 2019 rund 3,5 Milliarden Pfund pro Jahr sparen könnte. Trotz Privatisierung wird der Zugverkehr immer noch staatlich subventioniert. Sparen könnte unter anderem heißen: weniger Mitarbeiter, weniger Ticketschalter, weniger Züge.

Dafür ist eine neue, superschnelle Verbindung von London nach Birmingham geplant, die mittelfristig bis Manchester und Leeds ausgebaut werden soll. Die Züge auf dieser Verbindung, so ist der Plan, könnten so schnell fahren wie heute der französische TGV.

Allerdings müssen sich die Pendler noch ein wenig gedulden: Das Teilstück von London nach Birmingham soll 2026 fertig sein. Bis 2033 könnte dann der Anschluss nach Manchester und Leeds geschafft sein.

Visionäre denken bereits daran, wie anschließend auch Edinburgh und Glasgow ans High-Speed-Netz angeschlossen werden könnten. Das allerdings wird wohl erst die nächste Generation treuer Bahnkunden erleben.