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Austrocknender Lake Powell in den USA:Es wird immer klarer, was hier fehlt

Paula Thompson drosselt das Tempo. Vor ihr liegt der See in seiner ganzen Schönheit. Denn das ist der Lake Powell nach wie vor: wunderschön. Zu allen Seiten erstreckt sich klares, zu den Ufern hin türkisfarbenes Wasser, eingerahmt von Felsformationen, die mal schmal und spitz, mal flach und breit aus dem Wasser ragen. In mehreren Filmen diente die einmalige Landschaft schon als Kulisse, in Die zehn Gebote etwa oder Planet der Affen. Auch Britney Spears hat hier gedreht - im Video zu "I'm not a girl, not yet a woman" von 2001 steht sie auf einem der majestätischen Felsen am Ufer des Lake Powell.

Lake Powell

Lage: Der zweitgrößte Stausee der USA befindet sich ca. 350 km nordöstlich von Las Vegas, im Grenzgebiet der Staaten Utah und Arizona.

Nächstgelegener Ort: Die einzige Ortschaft am Lake Powell ist das 7300-Einwohner-Städtchen Page (Arizona) am Südufer des Sees. In den Sommermonaten sind die Unterkünfte hier ausgebucht - frühes Reservieren ist daher ratsam.

Bootstouren auf dem Lake Powell: Vom Hafen "Wahweap Marina" am "Lake Powell Resort" aus finden täglich verschiedene, geführte Bootstouren statt, etwa die "Canyon Adventures Tour": eine zweieinhalbstündige Fahrt, während der das Boot sowohl den Antelope Canyon als auch den noch höheren Navajo Canyon befährt. Kosten: 70 Dollar für Erwachsene. Da der See in der "Glen Canyon National Recreation Area" und damit im Nationalpark liegt, kommt eine Park-Eintrittsgebühr von 15 Dollar pro Fahrzeug hinzu. Weitere Infos zu Touren, Zeiten und Preisen hier.

Trotz der Idylle sind die Zeichen der Austrocknung deutlich erkennbar: Nimmt man die Uferfelsen genauer ins Visier, sieht man den hellen Rand aus gebleichtem Sandstein, den das Wasser früher bedeckte. Je näher man den Felsen kommt, umso klarer wird, welche immense Wassermenge hier fehlt - zum Beispiel im Wasser führenden Teil des Antelope Canyon, einer mehr als zehn Meilen langen Schlucht, von denen vier Meilen mit der Canyon Odyssey befahrbar sind.

Die Kapitänin steuert das Boot gekonnt so dicht an den Felswänden entlang, dass die Gäste sie vom Oberdeck aus fast berühren können. Und sie müssen sehr weit nach oben blicken, um zu sehen, wo der fast weiße Sandstein auf die bräunlich gefärbte Steinschicht darüber trifft. Bis dort oben stand früher das Wasser. Laut den aktuellsten Daten der US-Wasserversorgungsbehörde von Ende Juli ist das Wasser derzeit 92 Fuß (28 Meter) zu niedrig.

Noch ist der See ein beliebtes Urlaubsziel

Der Rand, der sich rund um den ganzen See abzeichnet, werde auch "Badewannenrand" genannt, sagt der Mann im Kopfhörer. Aber dass dies bedeutet, dass die Wanne nur halb voll ist - derzeit zu 52 Prozent - das erwähnt er nicht. Ebenso wenig die Tatsache, dass die Wanne sich in den kommenden Jahren wahrscheinlich weiter leeren wird.

Auf Grundlage verschiedener Klimastudien prognostizieren Experten für die Zukunft eine weitere Zunahme der Trockenheit in der Region. Zu befürchten ist der Rückfall in vergangene Zeiten: Baumringanalysen haben ergeben, dass das 20. Jahrhundert die feuchteste Periode der vergangenen 1200 Jahre war, zuvor war der Südwesten der USA noch trockener als heute.

Vielleicht will man die Touristen nicht verschrecken. Schließlich ist der Lake Powell nach wie vor ein beliebtes Urlaubsziel, mehr als zwei Millionen Besucher verbringen hier jedes Jahr ihre Ferien. Für viele von ihnen hat der Wasserverlust bereits Konsequenzen. Die Verwaltung des Erholungsgebiets "Glen Canyon National Recreation Area", zu dem der See und seine Umgebung gehören, gab unlängst eine Warnung heraus: Besucher sollten Vorsicht walten lassen, wenn sie die Rampen zum Wassern der Boote nutzen - das Wasser sei derzeit so seicht, dass die Boote unverhofft aufsetzen und Schaden nehmen könnten.

Die Canyon Odyssey nähert sich wieder der Marina. Mittlerweile ist es Mittag und mit 41 Grad noch heißer als bei der Abfahrt. Während Paula Thompson ihr Boot sicher in den Hafen steuert, hat sich vor dem Wasserspender unter Deck eine Schlange gebildet. Das Thema Austrocknung ist auf der Bootstour über den Lake Powell eine reine Privatangelegenheit.

© SZ.de/kaeb/ihe/jobr
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