Acht Städte, acht Taxis – Shanghai

Shanghai, das ist nichts für Landeier. Man weiß es ja vorher. Und lässt den chinesischen Reiseleiter in chinesischen Schriftzeichen Namen und Adresse des Restaurants notieren, wo man sich zum Enten-Essen treffen will. Spätabends. Der Taxifahrer, jung, Brille, schlechte Zähne, nimmt den Zettel, liest und fährt los. Es geht lange durch Hochhausschluchten, kein Himmel, nur Lichter. Nach gut 20 Minuten hält er mir den Zettel hin und deutet auf ein Schriftzeichen. Offensichtlich hat der Reiseleiter schlampig geschrieben. "Pe-Dsching!", rufe ich hoffnungsvoll nach vorne, weil das Restaurant auf Pekingente spezialisiert ist. Er schaut nur ratlos in den Rückspiegel.

45 Minuten später, die Hochhäuser sind längst verschwunden, halten wir an einem Firmentor im Industriegebiet.Ich schüttle heftig den Kopf. Der Taxifahrer zeigt wieder auf das Schriftzeichen. Zunehmend verzweifelt wiederhole ich "Pe-Dsching". Auf einmal wendet er und rast durch die Nacht in die Stadt zurück. Eine halbe Stunde später bremst er scharf, reißt den Arm hoch und ruft: "Yeeeeh!" Auf dem Taxameter stehen, nach eineinhalb Stunden Irrfahrt, 77 Yuan. Der Junge verlangt aber nur 20. Er tut mir leid, ich gebe ihm Trinkgeld. Die Ente ist längst gegessen.

Hans Gasser

Bild: REUTERS 17. Dezember 2010, 17:592010-12-17 17:59:05 © SZ vom 16.12.2010/kaeb