Zypern Türkischer Zyprer schafft es ins EU-Parlament

Die Partei des Präsidenten liegt gleichauf mit Zyperns größter Oppostionspartei.

Von Christiane Schlötzer, Istanbul

In Zypern haben die regierenden Konservativen herbe Verluste erlitten. Die Partei Disy von Präsident Nikos Anastasiadis blieb mit 29 Prozent aber stärkste Kraft. 2014 hatte sie noch fast 38 Prozent erreicht. Die größte Oppositionspartei, die linke Akel, erhielt mit 27 Prozent der Stimmen genau dasselbe Ergebnis wie 2014. Beide Parteien werden wieder je zwei Abgeordnete nach Brüssel schicken. Die Akel hatte mit Niyazi Kızılyürek erstmals einen Kandidaten aus dem türkischen Nordzypern aufgestellt, der es nun auch ins Parlament schaffte. Der 59 Jahre alte Politikprofessor hat für eine Wiedervereinigung der Insel geworben. Als erster Kandidat machte er auf beiden Seiten des Sperrzauns der seit 1974 geteilten Insel Wahlkampf. Dafür war er von Nationalisten beider Volksgruppen als "Verräter" und "Spion" beschimpft worden. Kurz vor der Wahl hatte auch Präsident Anastasiadis noch die Bürger aus dem Norden umworben. Ihre Beteiligung zeige eine Wertschätzung der EU, sagte er.

Die Wahlbeteiligung lag mit 43 Prozent knapp unter der von 2014. Aber diesmal nahmen mehr türkische Zyprer teil, 5600. 2014 waren es nur 1800. Nicht allen aus dem Norden, die dies wollten, sei es gelungen, sich rechtzeitig in die Wählerlisten eintragen zu lassen, sagte die zyprische Journalistin Esra Aygın. Hier gebe es noch Verbesserungsbedarf. Ein weiterer Parlamentarier wird erneut von der konservativen Partei Diko und einer von der sozialistischen Edek entsandt.