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Zweiter Strafprozess um Oury Jalloh:Zeugen widersprechen sich

Beweisstücke tauchen erst nachträglich auf, Zeugen widersprechen sich. Der Vorsitzende Richter der 6. Strafkammer, Manfred Steinhoff, spricht beide Angeklagten nach 60 zermürbenden Prozesstagen am 8. Dezember 2008 aus Mangel an Beweisen frei. Im Gerichtssaal entsteht ein Tumult.

BGH kippt Freispruch in Prozess um Asylbewerber-Tod in Polizeizelle

Auch das Brandgutachten klärt nicht, wer die Schuld an Jallohs Tod trägt: Eine Puppe in einem Nachbau der Dessauer Gewahrsamszelle am Feuerwehr-Institut Sachsen-Anhalt.

(Foto: ddp)

In der Urteilsbegründung erklärt Steinhoff das Verfahren für gescheitert: Viele der Zeugen, darunter der Revierleiter und sein Stellvertreter, hätten "bedenkenlos und grottendämlich" falsch und unvollständig ausgesagt, sie hätten dem Land Sachsen-Anhalt "aufs Übelste geschadet". Steinhoffs abschließende Worte könnten deutlicher nicht sein: "Ich habe keinen Bock, zu diesem Scheiß noch irgendwas zu sagen."

Das muss Steinhoff auch nicht - andere Richter müssen dies hingegen tun. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger gehen in Revision, am 7. Januar 2010, fünf Jahre nach Jallohs Tod, hebt der Bundesgerichtshof den Freispruch von Andreas S. auf und verweist das Verfahren zurück an das Landgericht Magdeburg.

"Die Erkenntnismöglichkeiten der Justiz sind begrenzt"

Sechs Jahre nach Jallohs Tod ist völlig offen, was das Verfahren in Magdeburg zutagefördern wird - Wunder können die Richter nicht vollbringen. Darauf wies schon die BGH-Strafsenatsvorsitzende Ingeborg Tepperwien in ihrer Urteilsbegründung hin: Die Erkenntnismöglichkeiten der Justiz seien eben begrenzt.

Die Freunde des Westafrikaners haben wenig Hoffnung in die deutsche Justiz: Zu Prozessbeginn gedachten sie mit einer Mahnwache vor dem Landgericht des toten Asylbewerbers aus Sierra Leone. Sie hatten Kerzen und drei Pappsärge aufgestellt sowie Transparente errichtet und riefen: "Oury Jalloh - das war Mord!" Doch diese Behauptung kann sich auf keinerlei Tatsachen stützen.