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Zum Tod von Otto von Habsburg:Seine kaiserliche Hoheit Otto, der Letzte

Ganze Kohorten von Monarchisten und Adelsfanatikern hingen ihm bis zum Ende an: Otto von Habsburg, der älteste Sohn des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, ist gestorben. Er galt als leidenschaftler Europäer, trat vehement für verfolgte Bürger Mittel- und Osteuropas unter dem Sowjetimperium ein - doch zum waschechten Demokraten hat er sich nie gewandelt.

Otto von Habsburg war schon eine ganze Zeit, lange bevor er am Montag im Alter von 98 Jahren in Pöcking am Starnberger See "friedlich eingeschlafen" ist, der verkörperte Nachhall einer ganz anderen Welt. Mit dem alten Aristokraten, so wird es manch Nachruf intonieren, gehe eine Epoche endgültig zu Ende. Das ist falsch: Die Epochen, die Habsburg, der älteste Sohn des letzten regierenden Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, repräsentierte, sind schon lange Geschichte.

Otto von Habsburg tot

Otto von Habsburg in seinem Haus im oberbayerischen Pöcking: Der älteste Sohn des letzten regierenden Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, ist tot.

(Foto: dpa)

Er, der weltläufige Spross des Hauses Habsburg-Lothringen, dem ganze Kohorten von Monarchisten und Adelsfanatikern in gerührter Ergebenheit bis zum Ende anhingen, hat alles, für das er stand, weit überlebt. Mit einer Ausnahme: das vereinte Europa. Das war die glänzende Obsession des Erben der jahrhundertelang mächtigsten Dynastie des Kontinents. Zwar stellte er sich das anders vor als die Staatengemeinschaft der Europäischen Union. Aber entmutigen ließ er sich nie bei dem Gedanken, dass seine Vorstellungen vom Selbstbestimmungsrecht der Völker sich in einem geeinten Kontinent am besten sichern ließe. Auch nicht Probleme und verbreiteter Defätismus der letzten Jahre dem Europagedanken gegenüber konnten ihn beirren.

Otto von Habsburg wurde 1912 in Reichenau an der Rax geboren. Von vornherein unterlag er den strengen Riten, die ihn zum dereinstigen Thronerben machen sollten. Der Urgroßonkel Franz Josef I. hatte ja seinen Sohn Rudolf durch Suizid und seinen Neffen, Thronfolger Franz Ferdinand, durch das Attentat von Sarajewo verloren. So lief die Erbfolge über Franz Josefs Großneffen Karl von Habsburg-Lothringen direkt auf Otto zu. Er selbst beschrieb als prägende frühkindliche Erinnerung den funebren Pomp beim Staatsbegräbnis für den alten Kaiser Franz Josef im Jahr 1916.

Vater Karl I., als Frömmler verschrien und indessen von Rom seliggesprochen, regierte nur zwei Jahre. Nach dem Ende des verlorenen Ersten Weltkrieges, nach dem Untergang des Imperiums und dem Exil des Vaters wurde Otto zwangsläufig ein polyglotter Mensch: Die Habsburgergesetze verboten es der engeren Familie, nach Österreich zurückzukehren oder nur einzureisen, sofern sie nicht auf den Thron und auf alle Ansprüche an Macht und Besitz feierlich verzichteten. Habsburg fand sich dazu gleichsam als Thronprätendent erst 1961 bereit, was ihm endlich die Rückkehr nach Österreich erlaubte. Dem waren wilde Auseinandersetzungen innerhalb der österreichischen Parteienlandschaft vorausgegangen. Habsburg selbst tendierte immer zum Lager der Christsozialen.

Dass Otto von Habsburg - anders als sein eigenen Söhne Karl und Georg - bis zum Ende seiner Tage ein "von" tragen konnte, lag an einem für manche Österreicher und Monarchisten unverzeihlichen Schritt: Er wurde deutscher Staatsbürger, wo Adelsattribute in den bürgerlichen Namen übernommen wurden, während sie in Österreich von der Republik verboten worden sind.

Habsburg saß Jahrzehnte für die bayerische CSU im Europaparlament. Man hielt ihn für prädestiniert, da er schon als junger Mann in den zwanziger Jahren am Aufbau der Paneuropa-Union beteiligt war, deren Ehrenpräsident er bis zu seinem Tode blieb. Habsburg hing der Obsession an, die alte Donaumonarchie sei Vorbild und Modellfall für die Europäische Union gewesen. Eine in Österreich heute noch verbreitete Ansicht, die verdrängt, dass die anderen Völker das Imperium eher als Kolonialstaat empfanden, nur dass der Herr nicht in Übersee, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft saß.

Otto von Habsburg

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