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Zentralrat der Juden:Geschenk und Verpflichtung

Zum 70. Jahrestag des Zentralrats freut sich die Kanzlerin über blühendes jüdisches Leben in Deutschland. Dass es dies gibt, ist ein Vertrauensbeweis an die Gesellschaft - und alles andere als selbstverständlich.

Von Joachim Käppner

"Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" heißt es in Paul Celans "Todesfuge", dem vielleicht bekanntesten und ergreifendsten Gedicht über die Schoah, den Genozid an den Juden während des Zweiten Weltkriegs. Celan hatte den Holocaust überlebt und seine Familie verloren. Als er die "Todesfuge" 1952 der Gruppe 47 vorlas, verlachten ihn die selbstgefälligen Jungliteraten Westdeutschlands. Jüdisches Leben in Deutschland schien damals keine Zukunft mehr zu haben.

Und doch ist es anders gekommen. Auf dem Festakt zum 70-jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden in Deutschland sagte Angela Merkel: "Wir dürfen uns über ein blühendes jüdisches Leben freuen." Man vergisst leicht, welch ein Geschenk und Vertrauensbeweis dieses Leben ist für die deutsche Gesellschaft. Gleichzeitig ist dieses neu erblühte jüdische Leben auch ein Gradmesser für den inneren Zustand dieser Demokratie.

Der zunehmende Antisemitismus, dieses Erbübel aus Verschwörungsmystik, Bösartigkeit und Dummheit, beunruhigt die jüdischen Deutschen. Die Vorgänge um den Terroranschlag von Halle, der die Juden dort treffen sollte, lassen zweifeln, ob das Ausmaß der Bedrohung tatsächlich überall verstanden wurde. Deutschlands Juden brauchen die Solidarität der Gesellschaft.

© SZ vom 16.09.2020
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