"Wir sind Kirche"-Vorsitzende exkommuniziert Härteste Strafe diesseits der Hölle

Sie feierten Gottesdienste ohne geweihten Priester - und weigerten sich aufzuhören: die österreichische Vorsitzende von "Wir sind Kirche" und ihr Ehemann. Der Bischof von Innsbruck wirft ihnen nun vor, ihre Exkommunikation selber herbeigeführt zu haben.

Von Matthias Drobinski

Ein eigentümliches Treffen sei das gewesen, erzählt Martha Heizer, in Innsbruck, beim Bischof Manfred Scheuer. Der Bischof sichtlich betreten und bedrückt: Ob sie nicht doch nachgeben wollten? Nein, das wollten sie nicht. Ob sie das Dekret nicht mitnehmen wolle und alles noch einmal überdenken? Nein, es gebe nichts zu bedenken. So blieb die Urkunde beim Bischof - die Exkommunikationsurkunde. Das Wort klingt nach Mittelalter.

Martha Heizer, die Vorsitzende der gerade in Österreich sehr populären Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" trifft die härteste Strafe der katholischen Kirche diesseits der Hölle: den Ausschluss von allen Sakramenten und Ämtern. Ihren Mann Gerd trifft die Strafe gleich mit. Der Grund: unerlaubtes Feiern der Heiligen Messe - falsches Beten, zugespitzt gesagt.

Seit vielen Jahren trafen sich die Eheleute regelmäßig mit Freunden und feierten den Gottesdienst. Zunächst war auch ein Priester dabei, sodass alles seine Ordnung hatte. Doch der starb, ein neuer fand sich nicht, und irgendwann sagte die Gruppe: Wir machen das alleine mit der Eucharistie, "weil doch der Priestermangel so groß ist und wir gespürt haben, wie gut uns das tut". 2011 erzählte dies die heute 67-jährige Religionspädagogin locker in einem Interview - und trat die Lawine los.

Im katholischen Kirchenrecht gilt eine Messfeier, bei der kein geweihter Priester die Worte des Hochgebets zur Wandlung spricht, als Simulation. Sie ist sofort dem Bischof und der Glaubenskongregation in Rom zu melden, sie führt zur gleichen Strafe wie der Bruch des Beichtgeheimnisses, wie sexuelle Gewalt gegen Minderjährige.

Warum nicht in Tirol, wenn in Brasilien

In Innsbruck war man erkennbar nicht darauf aus, die Sache zum Äußersten kommen zu lassen, aber nun war die Sache nun einmal in der Welt und bei der Glaubenskongregation, und dort sitzt der strenge Präfekt Kardinal Gerhard Müller, der die Leute von der Kirchenvolksbewegung sowieso für Abtrünnige hält. Der Fall schleppte sich so vor sich hin, allein: Das Ehepaar Heizer blieb hartleibig.

Die Gruppe weigerte sich zu bereuen, abzuschwören und künftig nur noch erlaubte Wortgottesdienste zu feiern. Das sei eine Gewissensentscheidung. "Wir sind gut katholisch und wollen auch in unserem kleinen Kreis nicht ohne Eucharistiefeier bleiben", sagt Martha Heizer, "warum müssen die Wandlungsworte ausschließlich dem geweihten Priester vorbehalten bleiben?" Und warum sollte nicht in Tirol gehen, was im brasilianischen Urwald geht, was in der tschechischen Untergrundkirche bis 1989 ging, was heute noch in China geht, wo oft über Monate kein Priester kommt?

Weil Österreich nun mal keine Untergrundkirche hat, die Eucharistiefeier keine Privatsache ist und Regeln eben Regeln sind, die Konsequenzen haben, wenn man sie bricht - zu lautet kurz gefasst die Antwort des Bistums Innsbruck. Die Heizers hätten ihre Exkommunikation selber herbeigeführt, erklärt Bischof Scheuer, sie hätten gewusst, "welche Situation sie herbeiführen und was ihr Handeln kirchlich bedeutet". Der Ausschluss von den Sakramenten sei "eine Niederlage für die Kirche", so der Bischof, er hoffe nach wie vor auf Einsicht und Umkehr. Es klingt ehrlich.

Doch nach Umkehr sieht es nicht aus. Der Bischof hätte ja mal mutiger sein und der Glaubenskongregation widerstehen können, findet Martha Heizer. Sie sei erbittert, "dass wir von keinem einzigen Missbrauchstäter wissen, der exkommuniziert wurde"; hier werde "mit unterschiedlichem Maß gemessen". Kirchenmitglied will sie trotzdem bleiben - und auch weiter Kirchensteuer zahlen. Das , sagt sie, könne ihnen keiner verbieten.