Winterklausur Wie Seehofer sich der CDU annähern will

Die CSU trifft sich erstmals nicht in Wildbad Kreuth, sondern im Kloster Seeon. Dort klingt Seehofer überraschend moderat. Eine Umfrage sorgt für gute Laune beim bayerischen Ministerpräsidenten.

Von Wolfgang Wittl, Seeon

Markige CSU-Parolen zum Auftakt des politischen Jahres haben Tradition, doch in dieser Deutlichkeit hätte sie am Mittwoch kaum jemand erwartet. "Obergrenze: null", lautet eine der Forderungen. Eine andere: "Illegale abschieben." Soll heißen: Also nicht einmal 200 000 Flüchtlinge sollen künftig ins Land gelassen werden, sondern gar keine mehr. Das ist starker Tobak. Fairerweise sollte man anfügen, dass es sich diesmal nicht um CSU-Politiker handelt, die ein derart rigoroses Durchgreifen verlangen. Vielmehr sind es vereinzelte Plakate auf dem Weg zu Kloster Seeon, auf denen diese Sprüche zu lesen sind. Absender: unbekannt.

Die CSU-Granden zeigen sich zum Auftakt der Winterklausur ihrer Bundestagsabgeordneten moderater, allen voran Parteichef Horst Seehofer. Unter ein einziges Motto stelle er die Klausur der Landesgruppe, sagt der CSU-Vorsitzende: "Ich will, dass die demokratische Gesellschaft wieder zusammenwächst." Dafür brauche es zwar klare Aussagen und eine klare Sprache. Sticheleien gegen Kanzlerin Angela Merkel und die CDU unterlässt Seehofer jedoch weitgehend, obwohl sich ihm dazu mehrfach die Gelegenheit bietet. Auch Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt betont die Einigkeit der Unionsschwestern. Nicht die CDU sei der politische Gegner, sondern Populisten und Rot-Rot-Grün.

CSU Die CSU benimmt sich wie ein weiß-blaues Rumpelstilzchen
Kloster Seeon

Die CSU benimmt sich wie ein weiß-blaues Rumpelstilzchen

Mit Härte in der Flüchtlingspolitik will Seehofer seine Partei gegen die AfD immun machen - auf Kosten der CDU. Bei der Klausur in Seeon wird sich zeigen, ob von einer Einheit der Union noch die Rede sein kann.   Kommentar von Heribert Prantl

Mit einem ist es Seehofer ernst: Die Obergrenze ist für die CSU nicht verhandelbar

Die Botschaft, die von Seeon ausgehen soll, ist damit klar: Die CSU möchte gemeinsam mit der CDU in den Bundestagswahlkampf ziehen, wenn auch nicht um jeden Preis. Zahlreiche ihrer Abgeordneten hatten vor Klausurbeginn ja gerätselt, wie es um das Verhältnis in der Union nun genau bestellt sei. Sucht Seehofer den Streit? Geht er einen Schritt auf Merkel zu?

Vier Jahrzehnte hatte die CSU im legendären Wildbad Kreuth getagt, ehe sie nun wegen Umbauarbeiten in Richtung Chiemsee umziehen musste. Franz Josef Strauß hatte 1976 vorübergehend die Gemeinschaft mit der CDU aufgekündigt, seither stand der Geist von Kreuth auch für den bayerischen Widerspruchsgeist. Für einen Geist von Seeon ist es noch zu früh. Gäbe es ihn, käme er bislang wohl gemäßigter daher als sein Kreuther Nachbar.

Als Seehofer am Mittwoch die Termine der kommenden Wochen aufzählt, nennt er wie selbstverständlich auch die gemeinsame Klausur der Präsidien von CDU und CSU Anfang Februar in München, die er zuletzt selbst infrage gestellt hatte. Das Treffen sei weiter geplant, betont er nun - allerdings mit der Einschränkung, dass beide Parteien beim Streitpunkt Obergrenze enger zusammenrückten. Aus der CSU heißt es, der Dialog werde nun auf höherer Ebene fortgesetzt. Seehofer sagt, es blieben noch einige Wochen. Es gehe darum, "die Dinge zusammenzubinden".