Wiener Kongress Wendehals, Luder, Strippenzieher

Sie ordneten Europa neu, begruben die Idee der Freiheit - und hatten dabei noch jeder Menge Spaß. Die wichtigsten Köpfe des Wiener Kongresses.

Klemens Wenzel Fürst von Metternich (1773-1859)

(Foto: dpa)

Der Strippenzieher: Metternich

Ein glänzender Diplomat weiß, wie man sich auf glattem Parkett bewegt und dabei auch noch eine elegante Figur macht.

Klemens Wenzel Fürst Metternich war eine Ausnahmefigur auf dem Wiener Kongress - allein deshalb, weil sich kein anderer besser an den Fürstenhöfen Europas auskannte. Metternich hatte zuvor als Gesandter in Dresden, Berlin und Paris gedient, wo er nicht nur mit konservativen Gelehrten, sondern auch mit großen Gesellschaftsdamen seiner Zeit engen Kontakt hielt.

Mit Fürstin Katharina Bagration, der späteren Vertrauten von Zar Alexander, hatte er während einer stürmischen Liebesbeziehung 1803 eine Tochter gezeugt, es war nur eine von vielen Affären. Auf dem Wiener Kongress brillierte "le beau Clement" als politischer Stratege, der in unzähligen Salongesprächen ein fein austariertes Gleichgewicht der Kräfte wiederherstellen wollte.

Das geschlagene Frankreich sollte im Konzert der Mächtigen neben Österreich, Preußen, England und Russland eine wichtige Rolle spielen, aber nie mehr so übermütig auftreten wie unter Napoleon. Metternich hielt einen dauerhaften Frieden in Europa für möglich, sollten sich die alten Monarchien gegen die Ideen des Nationalismus und des Liberalismus behaupten - deshalb plädierte er für einen deutschen Staatenbund unter österreichischer Führung.

Weil er das uneingeschränkte Vertrauen von Kaiser Franz I. besaß, konnte Metternich als eine Art Super-Außenminister agieren, sein Amtssitz, das Palais am Ballhausplatz, war auch das Kraftzentrum des Kongresses.

Wenn man so will, war der Realpolitiker Metternich der Herrscher des Wiener Kongresses, der mit seinen "Liebesromanzen, Hintertreppenaffären und Schlafzimmerintrigen, mit seinem Klatsch, seinen rauschenden Festen, den Schulden der daran Beteiligten und den Ausgaben des österreichischen Staates, der dafür in fünf Monaten etwa zwanzig Millionen Gulden auf Kosten des Steuerzahlers aufbringen musste, alles bisher Dagewesene" übertraf. (Eberhard Weis).

Text: Christian Mayer