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Weltwirtschaftsforum:Trump: Wachstum vor Klimaschutz

Der US-Präsident wendet sich beim Treffen in Davos gegen "Alarmismus" von Umwelt-Aktivisten. Greta Thunberg kritisiert, die Politik habe nur "leere Worte" zu bieten.

Es war ein Zusammenstoß zweier Welten. Donald Trump in der einen, Greta Thunberg und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter in der anderen. Der US-Präsident verkündete am Dienstag in Davos stolz die Erfolge seiner Wirtschaftspolitik und prophezeite, mit noch mehr Wachstum werde die Welt "jede Herausforderung bewältigen". Auf den Klimawandel ging er mit keinem Wort ein. Die 17-jährige Schwedin, die vergangenes Jahr das Weltwirtschaftsforum mit dem Satz "Unser Haus steht in Flammen" aufgerüttelt hatte, rief dagegen verzweifelt: "Unser Haus brennt noch immer." An die Adresse Trumps und anderer Politiker sagte sie: "Eure Untätigkeit heizt die Flammen stündlich an."

Von etlichen Politikern und Wirtschaftsführern erhielten Thunberg und die mit ihr angereisten jugendlichen Klimaaktivisten Unterstützung. Die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga etwa sagte: "Wenn die Welt brennt, können wir die Arbeit nicht alleine den Feuerwehrleuten überlassen." Politik und Wirtschaft müssten endlich handeln. Wenn junge Leute auf die Straße gingen, "können wir nicht länger danebenstehen". Allianz-Chef Oliver Bäte sagte, viele Unternehmen seien der Politik voraus. "Es ist das erste Mal, dass die Wirtschaft den Ton angibt und die Regierungen hinterherhinken." Bäte kritisierte die Bundesregierung wegen ihrer zögerlichen Haltung beim Klimaschutz: "Wir diskutieren immer Pläne für den Kohleausstieg, aber wir diskutieren nur den Zeitpunkt und nicht die nötigen Schritte."

Thunberg, die in Davos bisweilen einen resignierten, dann aber auch wieder einen kämpferischen Eindruck machte, sagte, in den vergangenen anderthalb Jahren habe sich beim Klimaschutz "fast nichts getan". Die Folgen ihres Auftritts in Davos 2019 seien "nichts, Schweigen und leere Worte" gewesen. Politiker erweckten den Eindruck zu handeln. "Aber wir müssen unsere Emissionen nicht reduzieren, wir müssen unsere Emissionen stoppen." Von ihrer Kritik nahm Thunberg kein Lager aus. "Das hat nichts mit links oder rechts zu tun. Die Linken, die Rechten, die Mitte - alle haben versagt."

Dass sie trotzdem wieder nach Davos gekommen sei, begründete die 17-Jährige so: "Ich bin hier, um euch zu sagen, wir werden nicht aufhören zu kämpfen." Wenn nicht sofort etwas geschehe, "werden Menschen an den Folgen des Klimawandels sterben".

Trump verwahrte sich gegen solchen "Alarmismus". "Das ist keine Zeit für Pessimismus, sondern eine Zeit für Optimismus und Hoffnung." Er verwies auf die "unglaublichen Erfolge" seiner Wirtschaftspolitik. Unter seiner Regierung seien sieben Millionen neue Jobs entstanden, die Arbeitslosigkeit sei so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr, der Wohlstand "nicht mehr in den Händen weniger konzentriert". Der US-Präsident sagte, er habe vor zwei Jahren in Davos "das große amerikanische Comeback" angekündigt. Nun sei "der amerikanische Traum zurück - größer und stärker als je zuvor". Das Weltwirtschaftsforum, zu dem 3000 Teilnehmer angereist sind, dauert bis Freitag.

© SZ vom 22.01.2020
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