Wahlsieg der Opposition Argentinien wählt den Epochenwechsel

  • Die konservative Opposition gewinnt die Wahl in Argentinien, Mauricio Macri wird neuer Präsident.
  • Damit endet die Ära peronistischer Regierungen in Buenos Aires. Staatschefin Kirchner durfte nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten.
  • Die Wahlbeteiligung lag bei 81 Prozent. Im Parlament ist Macri nun auf Verhandlungen angewiesen.

"Dies ist ein historischer Tag"

Der konservative Oppositionsführer Mauricio Macri hat die Präsidentenwahl in Argentinien gewonnen und damit die Ära peronistischer Regierungen beendet. Auf den 56 Jahre alten Bürgermeister der Hauptstadt Buenos Aires entfielen nach Auszählung von 99 Prozent der abgegebenen Wahlzettel 51,4 Prozent der Stimmen, während sein Gegner, der peronistische Regierungskandidat Daniel Scioli, auf 48,6 Prozent kam. Erstmals musste der argentinische Präsident per Stichwahl bestimmt werden.

Der 58-jährige Scioli gestand seine Niederlage ein und beglückwünschte seinen Rivalen. Auch Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner rief den Wahlsieger an und lud ihn für Dienstag zu einem Treffen in der Präsidentenresidenz ein. "Dies ist ein historischer Tag, ein Epochenwechsel, der uns eine Zukunft des Wachstums und Fortschritts geben wird", sagte Macri. Die von ihm angeführte Koalition trägt den Namen "Cambiemos" ("Lasst uns ändern").

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Kommentar
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Wahlbeteiligung: 81 Prozent

Macri propagiert nach den peronistischen Regierungen mehr Marktwirtschaft und weniger Einfluss des Staates. Fernández de Kirchner durfte sich aufgrund der argentinischen Verfassung nach zwei Amtsperioden nicht um eine dritte Amtszeit in Folge bewerben. Zuvor hatte ihr 2010 verstorbener Mann Néstor das südamerikanische Land regiert. Die großen Themen des Wahlkampfes waren die Wirtschaftspolitik sowie die Bekämpfung von Kriminalität, Armut und Korruption.

Macri will durch einen liberalen Kurs wieder mehr internationale Geldgeber anlocken, zudem strebt er im Streit um nicht bezahlte Auslandsschulden eine Einigung mit Hedgefonds an. Ratingagenturen hatten Argentinien wegen verweigerter Zahlungen als technisch zahlungsunfähig eingestuft. Die bisherige Regierung von Cristina Kirchner beschimpfte die Fonds als "Aasgeier".

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Scioli hatte vor den Risiken einer liberalkonservativen Politik gewarnt, die Macri vertrete. Macri wolle die Landeswährung Peso stark abwerten und könne die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas, die ohnehin lahmt, in die Rezession steuern.

Die Wahlbeteiligung lag bei 81 Prozent. Im Parlament ist Macri auf Verhandlungen angewiesen. In der Abgeordnetenkammer wird er über die Stimmen von 89 der 257 Abgeordneten verfügen, gegen 107 der bisherigen peronistischen Regierungskoalition Frente para la Victoria (Siegesfront, FpV). Der Drittplatzierte der ersten Wahlrunde, Sergio Massa, bot Macri eine Zusammenarbeit an. Der ehemalige Kabinettschef Kirchners, der ihr heute kritisch gegenübersteht, führt eine Fraktion von 33 Abgeordneten an.

Familie Macri feiert das Wahlergebnis mit ihren Anhängern.

(Foto: REUTERS)