Entscheidung der Wahlkommission Präsidentenwahl in Nigeria kurzfristig verschoben

Diese Wahlurne wird soll jetzt erst eine Woche später zum Einsatz kommen als ursprünglich geplant.

(Foto: AFP)
  • Überraschend ist die Wahl in Nigeria nur wenige Stunden vor Beginn verschoben worden.
  • Sie soll nun eine Woche später abgehalten werden.
  • Zur Begründung werden Logistikprobleme genannt.
  • Die beiden wichtigsten Parteien verurteilten die Verschiebung und warfen sich gegenseitig vor, damit die Wahl beeinflussen zu wollen.

Nur wenige Stunden vor Beginn der Abstimmung hat Nigerias Wahlkommission die Präsidentenwahl um eine Woche verschoben. Nach einer sorgfältigen Prüfung der Logistik und dem Stand der Vorbereitungen für die Abstimmung sei im Sinne "freier, fairer und transparenter Wahlen" eine Verschiebung beschlossen worden, erklärte die Wahlkommission am Samstagmorgen über Twitter.

Bis kommenden Samstag sollten noch "eine Reihe von Herausforderungen" gestemmt werden, erklärte Wahlleiter Mahmood Yakubu. "Dies war eine schwierige Entscheidung für die Wahlkommission, aber notwendig für die erfolgreiche Durchführung der Wahlen und die Stärkung unserer Demokratie", sagte er nach dem Beschluss vor Journalisten.

Die Ankündigung kam für die meisten Beobachter völlig überraschend. Die Begründung der Wahlkommission für die erneute Verschiebung blieb insgesamt vage. Im Vorfeld der Abstimmung hatte es zahlreiche Berichte über Probleme bei der Auslieferung von Wahlunterlagen und Stimmzetteln an die Wahllokale gegeben. Zudem waren einige Wahllokale angezündet worden.

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In einer ersten Reaktion kam massive Kritik aus den Wahlkampflagern der stärksten Kandidaten. Das Team von Präsident Muhammadu Buhari nannte die Verschiebung des Wahltermins eine "riesige Enttäuschung", wie aus einer in der Nacht verbreiteten Erklärung hervorging, in der zudem dem Lager des schärfsten Herausforderers Atiku Abubakar die Schuld an der Verzögerung zugeschoben wurde.

Abubakar wiederum beschuldigte Buhari, die Verschiebung "angezettelt" zu haben. Abubakars Team sah hinter der Verschiebung einen Plan zur "Entrechtung der Nigerianer", wie die Premium Times berichtete.

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in dem westafrikanischen Staat sollen nun am Samstag nächster Woche stattfinden, Abstimmungen zu Gouverneuren und Parlamenten der Bundesstaaten sind jetzt für 9. März geplant. Die Wahlen 2015 in Afrikas bevölkerungsreichstem Land waren ebenfalls verschoben worden, aber mit etwas größerem Vorlauf. Zudem war der Schritt damals erwartet worden.

Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet

Um das Amt des Staatschefs bewerben sich mehr als 70 Kandidaten. Beobachter erwarten ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Amtsinhaber Buhare und seinem Herausforderer Abubakar. Rund 84 Millionen Nigerianer sind wahlberechtigt.

Der konservative und asketisch wirkende Buhari ist seit 2015 im Amt. Er war mit dem Versprechen angetreten, die Islamistengruppe Boko Haram zu besiegen, die grassierende Korruption zu bekämpfen und die Wirtschaft anzukurbeln. Boko Haram verübt jedoch weiterhin regelmäßig Angriffe. Der eher liberale Unternehmer Abubakar will die Wirtschaft liberalisieren und damit Wachstum und Millionen Arbeitsplätze schaffen.

Erstmals sind die Kandidaten der beiden großen Parteien Muslime aus dem Norden des Landes. Die Hälfte der Nigerianer ist Schätzungen zufolge muslimischen Glaubens, fast ebenso viele sind Christen. Die Religion der Kandidaten ist in Nigeria immer von Bedeutung. Der konservative Buhari ist im muslimischen Norden beliebter, Abubakar muss für einen Sieg den eher christlichen Süden gewinnen. Beobachter rechnen mit einem sehr knappen Wahlausgang.

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