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Vom Netz genommen:AKW-Mitarbeiter täuschte Sicherheitsprüfung nur vor

Kernkraftwerk Philippsburg

Ein externer Dienstleister wird für die Panne im Kernkraftwerk im baden-württembergischen Philippsburg verantwortlich gemacht.

(Foto: dpa)

Das Umweltministerium Baden-Württembergs hat dem Betreiber nun untersagt, den betroffenen Reaktor Philippsburg 2 wieder anzufahren.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Der Stromkonzern EnBW hat eine gravierende Sicherheitslücke in einem seiner Kernkraftwerke aufgedeckt. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, hat ein Mitarbeiter eines externen Dienstleisters im vergangenen Dezember eine Sicherheitsüberprüfung vorgetäuscht, ohne sie durchgeführt zu haben. Das Umweltministerium in Stuttgart untersagte am Mittwoch das erneute Anfahren des Reaktors.

Der Mitarbeiter sollte einen "Störfallmonitor" des Reaktors Philippsburg 2 überprüfen, wie das in regelmäßigen Abständen üblich ist. Er füllte das entsprechende Prüfprotokoll aus, ohne die Prüfung vorgenommen zu haben. Das sei bei der Aufarbeitung eines sogenannten meldepflichtigen Ereignisses aufgefallen, hieß es. Bei einer Untersuchung habe sich herausgestellt, dass derselbe Mitarbeiter vermutlich sieben weitere wiederkehrende Prüfungen an vergleichbaren Anlagen ebenfalls nur vorgetäuscht habe, teilte das Unternehmen mit. Auf die Funktionstüchtigkeit des betroffenen Messgeräts habe das keine Auswirkungen gehabt. Philippsburg 2, in Betrieb seit 1985, zählt zu den vergleichsweise jungen deutschen Atomkraftwerken. Es soll spätestens Ende 2019 abgeschaltet werden.

Ein ähnlicher Vorgang ist in der Geschichte der Kernkraft in Deutschland bisher nicht bekannt. Zuletzt waren die Zweifel an externen Mitarbeitern in Atomkraftwerken gewachsen, aus Angst vor terroristischen Hintergründen. Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) bezeichnete die Verfehlungen als "nicht akzeptabel". Das Ministerium untersagte EnBW, das Kraftwerk nach der turnusmäßigen Revision wieder in Betrieb zu nehmen. Der Konzern sagte zu, Vorkehrungen zu treffen, "die ein solches Fehlverhalten Einzelner" in Zukunft ausschließen.

© SZ vom 14.04.2016/jly
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