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Volkswagen:10 000 Dollar Entschädigung für Kunden in den USA

Der Autokonzern erzielt einen Vergleich mit Washington. Der Konzern muss mehr als 15 Milliarden Euro bezahlen. Das Bundesgericht in San Francisco muss aber noch zustimmen.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Die Aufarbeitung des Diesel-Skandals wird Volkswagen allein in den USA rund 15 Milliarden Dollar (13,5 Milliarden Euro) kosten. Wie aus einem Vergleichsvorschlag des Konzerns mit den Anwälten der Kunden und der amerikanischen Regierung hervorgeht, erhalten die Pkw-Besitzer je nach Modell und Alter ihres Wagens zwischen 5100 und 10 000 Dollar Entschädigung. VW bietet zudem allen US-Kunden den Rückkauf ihrer Autos an. Falls technisch möglich, können die Eigentümer die Wagen auch reparieren lassen.

Sollte das zuständige Bundesgericht in San Francisco dem Vergleich Ende Juli zustimmen, wäre dies die mit Abstand höchste Summe, die je ein Autobauer in den USA hat zahlen müssen. Dabei deckt der Kompromiss nicht einmal fünf Prozent der fast elf Millionen Autos ab, die weltweit betroffen sind. Auch wenn die Schadenersatzzahlungen andernorts bei Weitem nicht so hoch ausfallen werden, könnte der Topf für Wiedergutmachungen, den VW mit 16 Milliarden Euro gefüllt hatte, rasch leer sein. Eine Erhöhung der Rückstellungen lehnte Volkswagen am Dienstag dennoch ab.

Der Konzern hatte im vorigen September eingestehen müssen, dass er die Abgastests seiner Diesel-Pkw manipuliert hatte. Eine Software sorgte dafür, dass die Motoren auf dem Prüfstand viel weniger Schadstoffe ausstießen als später auf der Straße. Allein in den USA sind gut 480 000 Autos mit zwei und weitere 85 000 mit drei Litern Hubraum betroffen. Der Vergleich gilt nur die kleinere Motorenvariante, eine Regelung für die größere steht noch aus.

Für die Entschädigung der Kunden sowie den Rückkauf und die Reparatur der Fahrzeuge muss VW insgesamt 10,03 Milliarden Dollar bereitstellen. Maßgeblich für den Rückkauf ist der Wert, den jedes Auto Mitte September 2015 hatte. Zudem muss Volkswagen wegen des Verstoßes gegen Gesetze 2,7 Milliarden Dollar Strafe in einen US-Umweltfonds einzahlen sowie weitere zwei Milliarden Dollar in klimafreundliche Antriebstechnologien investieren. Offenbar einigte sich der Konzern darüber hinaus mit mehr als 40 US-Bundesstaaten auf einen zweiten Kompromiss, der ihn wohl weitere 600 Millionen Dollar kosten wird.

Da in den USA die Diesel-Abgasgrenzen strenger sind und die Verbraucher mehr Rechte haben als in der EU, können deutsche Autobesitzer nicht einmal im Ansatz mit ähnlichen Wiedergutmachungsleistungen rechnen. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, forderte VW auf, Autobesitzer in Europa nicht länger als "Kunden zweiter Klasse" zu behandeln. Die hohen Zahlungen in den USA zeigten, dass das dortige Rechtssystem Betrügereien hart bestrafe. Der Anwalt Andreas Tilp kündigte an, er wolle mit einer neuen Klage 2,5 Milliarden Euro für Aktionäre erstreiten, die von dem Konzern zu spät über den Skandal informiert worden seien.

Trotz der immensen Summe, die Volkswagen nun aufbringen muss, legte die Aktie des Unternehmens am Dienstag zeitweise fünf Prozent auf gut 111 Euro zu. Händler begründeten die Gewinne damit, dass die Zeit der Unsicherheit nun vorbei sei.

© SZ vom 29.06.2016
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