Videos der Zwickauer Terrorzelle Neue Antworten, neue Fragen

Die neuen Videos beantworten einige Fragen, werfen aber auch neue Fragen auf: "Warum endet Teil eins der Mordserie am 29. August 2001, und warum ist dann bis zum nächsten Mord im Februar 2004 zweieinhalb Jahre Pause?", fragt ein hochrangiger Sicherheitsbeamter.

Dazwischen waren vier Banküberfälle, davon drei in Chemnitz und einer in Zwickau. Haben die Neonazis Pause beim Morden gemacht? Warum hörte nach dem Polizistinnenmord im April 2007 das Morden auf? Auf diese Fragen gibt es derzeit nicht einmal Versuche von Antworten. Die Ermittler wissen es nicht.

Klar wird wieder einmal, welche wichtige Rolle für die ultrarechte Szene die rechte Musik spielte. Die Ermittler sind dabei, die Geschichte des Liedes "Döner-Killer" nachzuzeichnen, das die rechtsextremistische Band Gigi & Die braunen Stadtmusikanten 2010 veröffentlichte: "Denn neun sind nicht genug", endete das Lied. Das war eigentlich eine Aufforderung, weitere Morde zu begehen.

Die 1987 in der Nähe von Stuttgart gegründete Band Noie Werte war eine der Kult-Bands der Neonazi-Szene. Sänger und Kopf der Band war ein Rechtsanwalt, der auch als "nationaler Liedermacher" auftrat. Einer der früheren Gitarristen war mal Landesvorsitzender der NPD in Baden-Württemberg. Mit der Musik dieser Band, die offenbar zu den Lieblings-Bands der Zwickauer Terrorzelle gehörte, haben sich auch immer wieder Gerichte beschäftigt und festgestellt, dass die Texte gewaltverherrlichend seien und von einer verfassungsfeindlichen Ideologie zeugten.

Der alte Song "Kraft für Deutschland" auf dem ersten Video aus dem Jahr 2001 war bereits 1992 durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert worden. Als die Gruppe Noie Werte im Dezember 2010 die Auflösung bekanntgab, erklärte sie: "Und wir danken denjenigen, die mit uns diesen Weg gegangen sind und weitergehen werden." Nach 23 Jahren "verabschieden wir uns mit stolzer Brust und mit der Gewissheit, Lieder für die Ewigkeit geschrieben zu haben".