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Videoaufruf zur Wahl:"Bringt ja eh nichts"

Prominente rufen im Internet zum Wahlboykott auf - und kaum einer versteht die Ironie an der Sache. Kein Wunder: Die Auflösung gibt es erst nächste Woche.

Normalerweise verkündet der seriöse Mann mit der Brille Beitragserhöhungen, Naturkatastrophen und Parteienskandale. Jetzt blickt er tief in die Kamera: "Sie werden mir das vielleicht nicht glauben", sagt "Tagesschau"-Sprecher Jan Hofer, "aber ich gehe nicht wählen."

Er geht nicht wählen - behauptet er jedenfalls in einem Spot gegen Politikverdrossenheit: Der "Tagesschau"-Sprecher Jan Hofer.

(Foto: Screenshot: sueddeutsche.de)

Die Prominenten, die mit Jan Hofer in dem 70 Sekunden langen Video auftreten, drücken es drastischer aus: "Meine Stimme zählt ja eh nicht" schimpft der Hip-Hoper Dennis Lisk, der Schlagersänger Bernhard Brink "scheißt" gar auf die Wahl. "Politiker sind alle Versager", findet der Schauspieler Claude-Oliver Rudolph.

Ein knappes Dutzend mehr oder weniger bekannter Deutscher ruft auf der Plattform YouTube zum Wahlboykott auf. Das sorgt für Verwirrung und Empörung: "Wer nicht wählt macht es nur noch schlimmer!!!" schreibt ein User, " Wissen die wie viele Menschen für ihr Wahlrecht gestorben sind?" ein anderer.

Da ist im Vorteil, wer das Original kennt: Vor der letzten US-Wahl warnten Hollywood-Größen wie Leonardo DiCaprio und Dustin Hoffman in einem ganz ähnlichen Clip davor, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Der "Don't vote"-Spot kriegte aber rechtzeitig die Kurve: Nach destruktivem Schimpfen und einigen rhetorischen Fragen - "Wer kümmert sich schon um Terrorismus?" - forderten die Promis eindringlich dazu auf, sich für die Wahl registrieren zu lassen und den Clip an jeweils fünf Freunde weiterzuleiten.

In der deutschen Kopie fehlt diese Auflösung. Das vollständige Video wird aber auch erst am kommenden Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin gezeigt, heißt es bei den Machern der Informationsplattform politik-digital.de, die den Clip zusammen mit Friedrich Küppersbuschs Produktionsfirma Probono hergestellt haben. Warum man eine Woche vorher den halben Clip veröffentlicht, will man nicht verraten.

Ob Versehen oder neue Stufe des viralen Marketings - schon die erste Kostprobe der Anti-Politikverdrossenheits-Kampagne lässt vermuten, dass man bei der satirischen Umsetzung an Grenzen gestoßen ist. Die meisten Mitwirkenden - neben Moderatorin Sarah Kuttner, Komiker Mike Krüger und TV-Koch Ralf Zacherl spielen die Schauspieler Claude-Oliver Rudolph und Alexandra Kamp mit - dürften vor allem Freunden des Privatfernsehens bekannt sein. Kaum einer ist bisher durch besonderes politisches Engagement aufgefallen.

Und so wirken sie nur ein wenig glaubwürdiger als Hape Kerkeling, der als Horst Schlämmer sartirische Wahlwerbung für seine Ein-Mann-Partei betreibt: "Wir sind konservativ, wir sind liberal, wir sind links."