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Verteidigung:Volle Konzentration

FILE PHOTO: NATO Secretary General Stoltenberg speaks to reporters in Hamburg

Generalsekretär Jens Stoltenberg wird sich am Donnerstag per Videoschalte an die Minister wenden.

(Foto: Fabian Bimmer/Reuters)

Zum ersten Mal hält die Nato ein Ministertreffen per Video ab. Im Mittelpunkt steht die Corona-Pandemie: Aus der Gesundheitskrise dürfe nicht auch noch eine "Sicherheitskrise" werden, sagt Generalsekretär Stoltenberg.

Von Matthias Kolb, Brüssel

Erstmals in ihrer mehr als 70-jährigen Geschichte hält die Nato an diesem Donnerstag ein Ministertreffen per Videokonferenz ab. Im Zentrum der Beratungen dürfte die Frage stehen, welchen Beitrag die Militärallianz zur Bewältigung der Corona-Pandemie leisten kann. "Die Nato trägt ihren Teil zum gemeinsamen Kampf gegen einen unsichtbaren Feind bei", sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch. Zentrale Aufgabe des Bündnisses bleibe jedoch Abschreckung und Verteidigung: "Unser Hauptziel ist es, sicherzustellen, dass diese Gesundheitskrise keine Sicherheitskrise wird."

Im Nato-Hauptquartier, das wegen des Coronavirus derzeit nur etwa mit einem Viertel der sonst 4500 Personen besetzt ist, gehen Diplomaten davon aus, dass Russland jede Gelegenheit ergreifen werde, um diese Krise auszunutzen. Daher zeige man, dass die Nato und ihre Mitglieder "weder abgelenkt, noch geschwächt" seien. Die Einsätze etwa in Afghanistan oder zur Überwachung des europäischen Luftraums laufen weiter. Die Ausbildungsmission im Irak ist allerdings wegen Sicherheitsbedenken und Covid-19 momentan ausgesetzt. Als vergangene Woche sieben russische Kriegsschiffe durch den Ärmelkanal fuhren, wurden diese von neun britischen Schiffen begleitet. Die Royal Navy sprach von "einem ungewöhnlich hohen Maß an Aktivitäten". Ähnlich wie die zuständigen Stellen der EU registriert man in der Nato viele Desinformationskampagnen, die Zweifel an der Solidarität der Europäer und der Wirksamkeit der Maßnahmen wecken sollen.

Auf die Frage, was er von der medizinischen Hilfe aus China und Russland etwa für Italien halte, sagte Stoltenberg, jedes Land müsse entscheiden, welche Unterstützung es brauche. Am Mittwoch habe ein türkisches Transportflugzeug Masken, Schutzausrüstung und medizinisches Material nach Italien und Spanien gebracht, sagte Stoltenberg. Die Nato übernimmt dabei vor allem koordinierende Aufgaben; vor allem über ihr Zentrum zur Koordination von Katastrophenhilfe. Nach dem gleichen Prinzip lieferte Tschechien 20 000 Schutzanzüge an die beiden Länder.

Die Videokonferenz wird noch aus einem anderen Grund eine Premiere sein. Am Freitag wurde Nordmazedonien als 30. Mitglied in die Nato aufgenommen, weshalb Außenminister Nikola Dimitrov das Land erstmals als Partner bei einem Treffen vertreten kann.

© SZ vom 02.04.2020

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