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Vereinigte Staaten:Comey hält es für möglich, dass Trump erpressbar ist

Der frühere FBI-Chef sagt, die russische Regierung könnte belastendes Material über den US-Präsidenten besitzen. Er bezieht sich auf ein Gerücht, für das es bisher keinerlei Belege gibt.

Der ehemalige FBI-Direktor James Comey hält es für "möglich", dass die russische Regierung belastendes Material über US-Präsident Donald Trump besitzt. Es sei daher denkbar, dass Trump von Moskau erpressbar sei, sagte Comey in einem am Sonntagabend ausgestrahlten Interview mit dem Fernsehsender ABC. "Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Worte einmal über einen Präsidenten der Vereinigten Staaten sagen würde, aber es ist möglich." Zudem sagte Comey, es gebe "mit Sicherheit einige Beweise" dafür, dass Trump sich der Behinderung der Justiz schuldig gemacht habe.

Das Gerücht, Russland besitze ein Video vom November 2013, auf dem Trump mit Prostituierten in einem Moskauer Hotel zu sehen sei, existiert seit längerer Zeit. Es stammt aus einem Dossier, das ein Privatermittler über Trumps Verbindungen nach Russland angefertigt hat. Trump bestreitet die Behauptung vehement, und bisher gibt es auch keinerlei Belege dafür.

Dass Comey das Gerücht über die russischen Prostituierten jetzt trotzdem wieder an die Öffentlichkeit gezerrt hat, mag Taktik sein, um das Interesse an seinem Buch zu steigern, in dem er seine Auseinandersetzungen mit Trump im Frühjahr 2017 schildert. Allerdings ist es bemerkenswert, dass ein so renommierter Jurist und erfahrener Ankläger wie Comey den Verdacht in den Raum stellt, der US-Präsident sei erpressbar. Zwar sagte auch Comey, er wisse nicht, was 2013 in Moskau passiert sei. Aber er macht klar, dass er daran zweifle, dass Trump dazu die Wahrheit sage.

Auch die Einschätzung, Trump habe durch seine Einmischung in die Ermittlungen des FBI zu den Russland-Kontakten seiner Mitarbeiter die Justiz behindert, ist aus dem Mund des ehemaligen Direktors der wichtigsten amerikanischen Strafverfolgungsbehörde interessant. Offiziell wurde dieser Vorwurf bisher nicht erhoben. Bekannt ist nur, dass Robert Mueller, der Sonderermittler in der Russland-Affäre, diesem Verdacht nachgeht.

Trump hatte Comey im Mai 2017 entlassen, seitdem herrscht zwischen den beiden Männern eine stetig eskalierende Fehde. Trump wirft Comey vor zu lügen und für ihn schädliche Informationen an die Medien durchgestochen zu haben. Vorige Woche beschimpfte Trump Comey auf Twitter als "Schleimbolzen".

Comey hingegen ist der Ansicht, er sei gefeuert worden, weil er sich geweigert habe, dem Präsidenten Loyalität zu versprechen und die Ermittlungen zu den Kontakten zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland einzustellen. Er verglich Trump mit einem Mafia-Boss und bezeichnete ihn als "Serienlügner", der "moralisch ungeeignet" sei für sein Amt. "Dieser Präsident repräsentiert nicht die Werte dieses Landes", so Comey.

Trotzdem sprach sich Comey gegen ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Trump aus. Den Präsidenten wieder aus dem Weißen Haus zu entfernen, sei die Aufgabe und die "Pflicht" der Wähler. Diese dürfe man nicht durch Trumps Amtsenthebung durch den Kongress "vom Haken lassen".