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Vatikan:"Die Flügel beschnitten"

Der in Peru lebende Bischof Reinhold Nann übt harte Kritik am von Papst Franziskus suspendierten Kurienerzbischof Georg Gänswein.

Der mittlere Paukenschlag ertönte vergangene Woche im Vatikan, lautes Echo kommt nun aus Peru: Dort hat der aus Deutschland stammende Bischof Reinhold Nann ätzende Kritik formuliert am eben als Präfekt des Päpstlichen Hauses suspendierten Kurienerzbischof Georg Gänswein. Der Papst habe ihm "die Flügel beschnitten", schrieb Nann in seinem Internetblog. Endlich sei Schluss mit Gänsweins Auftritten "strahlend lächelnd hinter dem Papst". Nann, Bischof der Prälatur Caraveli in Südperu, fiel bisher in vatikanischen Fragen nicht auf, kennt aber nach eigenen Angaben Gänswein vom Priesterseminar. Von dem Studienkollegen sagt er nun, er wäre in einer deutschen Gemeinde mit seiner "polarisierende Art untragbar".

Vergangenen Mittwoch hatte das päpstliche Presseamt mitgeteilt, Gänswein sei seiner Aufgabe vorübergehend entbunden. Sprecher Matteo Bruni beeilte sich zu betonen, dies sei eine "normale Umverteilung der verschiedenen Aufgaben und Funktionen des Präfekten des Päpstlichen Hauses" - die organisatorisch und protokollarisch sind. Es fiel nur niemandem etwas ein, das bestätigt hätte, dass dies "normal" wäre für den Präfekten der "Casa Pontifica", der da bereits zum zweiten Mal bei der Generalaudienz fehlte. Normal war der Job des 63-Jährigen ohnehin nicht mehr, seit sein voriger Chef Benedikt VI. 2013 in Pension ging und Franziskus Papst wurde. Drei Monate zuvor hatte Benedikt Monsignore Gänswein vom Privatsekretär zum Kurienerzbischof und Präfekten befördert. Franziskus bestätigte ihn im Amt - wohl aus Respekt vor dem Vorgänger. Seither war der Mann aus dem Schwarzwald sowohl Präfekt des neuen Papstes wie Privatsekretär und Hüter des emeritierten.

Der nun 92-jährige Benedikt blieb im Altenteil im Vatikan-Kloster Mater Ecclesiae nicht stets so still wie angekündigt. Was Mitte Januar geschah, sehen einige als letzten Auslöser für Gänsweins Freistellung: Da schlug die Nachricht ein, Benedikt und Kardinal Robert Sarah plädierten in einem gemeinsamen Buch für strikten Zölibat - was sich als Affront gegen Franziskus auffassen ließ. Doch im Widerspruch zum Buchtitel war Benedikt gar nicht Co-Autor. Gänswein galt als mitschuldig an dem peinlichen Wirbel. Schon früher hieß es, er sei am Rand der Loyalität zu Franziskus, weil er dessen Kritiker gern zu Benedikt vorlasse. Der Bischof aus Peru schrieb nun, er glaube längst, "dass die Clique um Benedikt den armen alten emeritierten Papst ganz kräftig manipuliert und für ihre Intrigen einspannt." Den Vertrauensposten als Privatsekretär hatte Franziskus Gänswein nicht gegeben.

© SZ vom 12.02.2020
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