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USA:Woche der Traurigkeit

Während sich die Zahlen in New York stabilisieren, kommt das Virus in vielen Teilen des Landes richtig in Fahrt. Donald Trump setzt auf das Malariamedikament Chloroquin, das gerade gegen Corona erprobt wird.

Grenzkontrolle zwischen den US-Bundesstaaten Louisiana und Texas: In Louisiana häufen sich die Fälle, deshalb stellt Texas Einreisende unter Quarantäne.

(Foto: Fran Ruchalski/AP)

Am Montag gab es erstmals seit Wochen so etwas wie gute Nachrichten aus New York: Die Zahl der Menschen, die an den Folgen des Coronavirus gestorben sind, ist zwei Tage hintereinander nicht oder kaum gestiegen. Während es am Samstag 630 Tote gab, waren es am Sonntag 594 und am Montag 599. Gouverneur Andrew Cuomo warnte davor, diese Zahlen überzuinterpretieren, sagte aber zugleich, dass es sein könne, dass New York ein Plateau erreicht habe, sprich: dass die Zahlen nun immerhin stabil blieben.

"Das wäre eine gute Nachricht", sagte er. Landesweit ist die Zahl der offiziell registrierten Fälle auf rund 350 000 gestiegen. Die Vereinigten Staaten sind damit mit großem Abstand das Land mit den meisten Corona-Fällen auf der Welt. Dem Immunologen Anthony Fauci zufolge, der das Corona-Krisenmanagement im Weißen Haus koordiniert, gibt es allerdings eine enorme Dunkelziffer. Bis zu 50 Prozent der Infizierten könnten keinerlei Symptome zeigen, sagte er. Sie könnten das Virus aber dennoch übertragen. Deshalb wird in den USA nun geraten, Schutzmasken zu tragen. Es müsse sich dabei nicht um medizinische Masken handeln, es reiche, sich einen Schal vors Gesicht zu binden.

Präsident Donald Trump sagte, es stehe den Bürgern frei, Masken zu tragen. Er selbst werde das nicht tun. Er begründete das unter anderem damit, dass er "Präsidenten, Premierminister, Diktatoren, Könige und Königinnen" treffe. Tatsächlich trifft der amerikanische Präsident derzeit niemanden, auf den diese Beschreibungen zuträfen. Die Zahl seiner Kontakte ist stark eingeschränkt, die meisten Mitarbeiter des Weißen Hauses arbeiten von zu Hause aus. Wer dem Präsidenten persönlich begegnet, wird zuvor auf das Virus getestet.

Mit Anthony Fauci liegt Trump überkreuz, weil der Präsident davon überzeugt ist, dass das Malariamittel Chloroquin gegen das Virus helfe. Wiederholt hat er zuletzt bei seinen täglichen Pressekonferenzen im Weißen Haus gesagt, dass er glaube, man solle das Medikament einsetzen. Er verlasse sich dabei auf sein Bauchgefühl, sagte der Präsident. "Was weiß ich? Ich bin kein Arzt", stellte Trump fest, schob aber hinterher, dass es eine Schande wäre, es nicht versucht zu haben, falls es tatsächlich wirke. Chloroquin wird gegenwärtig bei der Behandlung von Covid-19-Patienten getestet; Bayer will den Stoff auch in Europa produzieren.

Im Zoo in der Bronx sind nun auch Raubkatzen infiziert - und die New Yorker fragen sich: Warum werden Tiere getestet?

Als Reporter den Immunologen Fauci fragten, wie er die Sache sehe, ging Trump dazwischen. "Er hat diese Frage bereits 15 Mal beantwortet", blaffte der Präsident. Fauci hat in der Tat mehrmals seine Skepsis bezüglich der Wirksamkeit von Chloroquin kundgetan. Er sagte, es müsse erst eingehend getestet werden, ob das Medikament tatsächlich eingesetzt werden könnte. Auf Trumps Drängen hin hat die Regierung 29 Millionen Dosen gelagert. Ob Chloroquin entgegen dem Rat von medizinischen Beratern im Weißen Haus zum Einsatz kommt, ist derzeit offen.

Annähernd 10 000 Menschen sind in den USA nach letztem Stand an den Folgen des Virus gestorben. Das Weiße Haus stimmte die Amerikaner daher auf eine Woche "des Todes und der Traurigkeit" ein. Während die Zahlen in New York eventuell nicht mehr so stark steigen, nimmt die Krise in anderen Teilen des Landes erst richtig Fahrt auf. In Louisiana häufen sich die Fälle derart, dass das benachbarte Texas Kontrollpunkte an der Staatsgrenze errichtet hat. Wer aus Louisiana einreist, soll sich zwei Wochen in Quarantäne begeben. Florida kontrolliert ebenfalls Fahrzeuge aus Louisiana und New York. In dem südlichen Bundesstaat gibt es schon länger Klage, dass New Yorker das Virus einschleppten, die Ferienhäuser besitzen. Als wahrscheinlicher gilt jedoch, dass Florida so stark betroffen ist, weil es seine Strände lange nicht sperrte und Zehntausende Studenten ihre Frühlingsferien exzessiv feiern ließ. Reagiert hat nun auch Wisconsin, wo an diesem Dienstag Vorwahlen geplant waren - am Montag entschied Gouverneur Tony Evers, sie auf 9. Juni zu verschieben. In der Bronx befindet sich der größte Zoo von New York City. Er meldet die ersten Corona-Fälle. Nadia, ein vier Jahre alter Tiger, wurde positiv getestet. Mehrere Löwen und weitere Tiger zeigten auch Symptome. Das führt zu zwei Fragen. Wenn es für Menschen in New York so schwierig ist, getestet zu werden, wieso wird dann ein Tiger getestet? Und wenn Großkatzen sich mit dem Virus infizieren können, was ist dann mit den laut Schätzung des Haustierverbandes 95 Millionen Hauskatzen in den USA?

© SZ vom 07.04.2020

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