USA Wie Trump lernte, die Bombe zu lieben

Hat Luftschläge für sich entdeckt: US-Präsident Donald Trump

(Foto: AFP)

Der US-Präsident wird für seine Militärschläge in Syrien und Afghanistan beklatscht - das ist gefährlich. Es könnte ihn dazu verführen, den Einsatz immer weiter zu treiben.

Kommentar von Stefan Ulrich

Wenn Leben Lernen ist, darf man diese Fähigkeit auch Donald Trump zugestehen. Tatsächlich vermeinen optimistische Zeitgenossen, gewisse Fortschritte im Verhalten des US-Präsidenten auszumachen: Die Nato ist auf einmal nützlich, mit China lassen sich Deals schließen und Wladimir Putin ist doch kein so famoser Kumpel. Und Syrien? Da wollte sich der Lehrling im Weißen Haus genauso raushalten wie aus anderen Konflikten jenseits von Amerika. Dann wurden im syrischen Krieg "wunderschöne Babys" ermordet, worauf der Präsident die Luftwaffe des Assad-Regimes bombardierte - völkerrechtswidrig, aber ansonsten nicht unverdient.

Ein Raunen ging durch die Welt. Und der bislang ebenso unbeliebte wie erfolglose Präsidentenneuling wurde plötzlich von allen beklatscht, selbst von den Medien, den Demokraten und eingefleischten republikanischen Anti-Trumpisten wie John McCain. Was lernte Trump? Auf Bombe folgt Beifall.

Islamischer Staat Die MOAB, eine Bombe für sehr spezielle Fälle
USA

Die MOAB, eine Bombe für sehr spezielle Fälle

Das US-Militär hat in Afghanistan erstmals seine größte nicht-nukleare Bombe abgeworfen. 36 IS-Kämpfer sollen dabei getötet worden sein. Was wir über die Waffe wissen - und ob ihr Einsatz eine Warnung an Nordkorea und Iran ist.   Von Beate Wild

Trump ließ die dickste Bombe in seinem Arsenal platzen

Diese Erkenntnis wandte der Oberbefehlshaber US-Streitkräfte jetzt auf Afghanistan an. Da er auf great und big steht, ließ er moderne Waffen wie Drohnen oder Computerwürmer beiseite und die dickste konventionelle Bombe in seinem Arsenal platzen. Militärisch mochte das sogar sinnvoll sein. Denn dieser Sprengkörper, Moab genannt, gilt als geignet, Feinde in Tunnels zu bekämpfen, also auch Terroristen des Islamischen Staates, die sich in Afghanistan unter der Erde verstecken.

Doch dies war offensichtlich nicht der einzige Grund, warum Trump eine Bombe einsetzte, die dessen Vorgänger George W. Bush und Barack Obama nie verwendeten. Trump wollte damit nicht nur Terroristen töten, sondern auch fünf Regierungen beeindrucken: die syrische, iranische, russische, chinesische und nordkoreanische. Seht her, so seine Botschaft, ich bin der Herr der stärksten Armee der Erde. Und ich scheue nicht davor zurück, sie einzusetzen, samt ihrer furchtbarsten Waffen.

Tatsächlich dürfte der Moab-Abwurf die Verunsicherung bei Gegnern und Rivalen der USA steigern, auch bei solchen, die Trump bisher eher belächelten. Er wird daraus die Lehre ziehen: auf Bombe folgt Respekt. Und da wird es gefährlich. Wenn ein so egomanischer Mann wie der Herr im Weißen Haus für Militärschläge Aufmerksamkeit und Bestätigung erlangt, kann ihn das dazu verführen, den Einsatz immer weiter zu erhöhen.

Der US-Präsident macht aus seiner Unberechenbarkeit einen Trumpf

Eine der gefährlichsten Krisen der Erde, der Konflikt um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm, schaukelt sich in diesen Tagen hoch. "Nordkorea ist ein Problem, dessen wir uns annehmen werden", sagt Trump. Bei einem normalen US-Präsident klänge das vernünftig, bei Trump klingt es verstörend.

Unberechenbar, wie er gern ist, lässt sich nicht ausschließen, dass er den nächsten nordkoreanischen Atombombentest mit einem massiven Angriff beantwortet. Das Regime in Pjöngjang würde daraufhin Südkorea bombardieren - und die Welt womöglich in einen Atomkrieg geraten.

Vielleicht kommt aber auch alles anders. Trump blufft, er macht aus seiner Unberechenbarkeit einen Trumpf, der China dazu bringt, das Nordkorea-Problem mit den USA zu entschärfen. Falls Trump wirklich so smart vorgeht, hätte er tatsächlich etwas gelernt.