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USA:Trotz Trump stirbt der Kohlebergbau

Kentucky Coal Miners Continue Blockade Protest In Harlan County

Sie geben die Gleise nicht frei, der volle Kohlezug darauf ist ihr einziges Pfand: Kumpel der Blackjewel-Mine in Cumberland, Kentucky.

(Foto: Scott Olson/AFP)

Seit Wochen liefern sich Kumpel in Kentucky einen Kampf mit der Mine, die ihnen die Löhne schuldet. Überall in Amerika gehen Kohlebergwerke bankrott. Dabei hat der Präsident der Branche eine gute Zukunft versprochen.

Chris Rowe ist Bergmann. Er ist 35 Jahre alt, elf davon hat er in den Kohlebergwerken im Südosten von Kentucky geschuftet. Jeden Tag verbrachte er zehn oder mehr Stunden in einem heißen, stickigen Stollen, umgeben von dröhnenden Maschinen, die sich in den Fels fraßen. Es gab Wochen, in denen sah Chris Rowe kein Tageslicht. Er fuhr am Morgen in den Berg ein, als es noch dunkel war. Er kam am Abend aus dem Berg wieder heraus, als die Sonne schon untergegangen war.

In jüngster Zeit hat Chris Rowe allerdings ziemlich viel Sonne abbekommen. Sein Nacken und seine Oberarme, dick und hart wie Keulen, sind dunkelrot verbrannt. Denn seit einigen Wochen gräbt Rowe nicht mehr nach Kohle. Stattdessen steht er jeden Tag auf einem Bahndamm am Rande der kleinen Bergarbeiterstadt Cumberland und demonstriert - ein bärtiger, tätowierter und vor allem sehr wütender Mann. "Verdammte Hölle", flucht er, "es ist ja nicht so, als würden wir hier für was völlig Verrücktes kämpfen. Wir haben für den Scheiß hart gearbeitet."

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Der Präsident warnte davor, dass "Dorian" auch Alabama treffen könnte, was selbst der dortige Wetterdienst verneinte. Seitdem versucht der Präsident, seine Aussage zu belegen.

Revolution ist vielleicht ein etwas zu gewichtiges Wort für das, was da zurzeit in Cumberland, Kentucky passiert. Aber eine Art Aufstand ist es schon, der wohl größte und längste Arbeiterprotest, den es in den USA seit Jahrzehnten gegeben hat. Ein Kampf, wie der Bergmann Chris Rowe es nennt, ist es ganz bestimmt.

Mit "dem Scheiß" meint Rowe die gut 6000 Dollar, die der Bergbaukonzern Blackjewel ihm schuldet, den Lohn für vier Wochen Knochenarbeit im Schacht. Rowe ist einer von etwa 300 Bergleuten, die in Harlan County, dem Landkreis, in dem Cumberland liegt, für Blackjewel gearbeitet haben. Doch Anfang Juli meldete das Unternehmen Insolvenz an. Rowe und die anderen Kumpel wurden mitten während der Tagschicht aus dem Stollen geholt und nach Hause geschickt.

Die Kohleindustrie kriselt seit Langem

Das war bitter. Und es kam noch schlimmer. Die Lohnschecks, die das Unternehmen für den ersten Teil des Juni ausgestellt hatte, waren nicht gedeckt. Sie platzten, als die Kumpel sie einzahlen wollten. Die Schecks für den Rest des Juni schickte Blackjewel gar nicht erst los. Als Rowe Anfang Juli zur Bank ging, sei sein Konto plötzlich einen Tausender im Minus gewesen, erzählt er. So ging es allen Bergleuten, die bei Blackjewel angestellt waren.

Seitdem müssen Rowe und seine Frau Stacy zusehen, wie sie sich durchschlagen. Sie haben eine siebenjährige Tochter, nur zwei Wochen vor der Insolvenz hatten sie ein Haus gekauft. "Früher habe ich 1200 bis 1400 Dollar in der Woche verdient", sagt Rowe. "Jetzt kriege ich 500 Dollar Arbeitslosengeld pro Woche. Davon gehen noch Steuern ab." Der Hauskredit kostet 750 Dollar im Monat, die Raten für die Autos, ohne die man im ländlichen in Kentucky aufgeschmissen ist, betragen 550 Dollar. Da bleibt nicht viel Geld übrig für das restliche Leben, für Strom, Benzin, Versicherungen, Telefon, Kleidung und Lebensmittel. Oder für ein Spielzeug.

Dass Bergwerke pleitegehen, ist nichts Neues in Kentucky. Die Kohleindustrie kriselt seit Langem. Aber dass ein Konzern einfach dichtmacht und die Arbeiter mit ungedeckten Schecks hängen lässt, das sei eine "beispiellose Sauerei", sagt Charles Raleigh, der Bürgermeister von Cumberland. Andere Jobs gibt es in der Gegend kaum, zumindest keine vernünftig bezahlten. Und schon gar nicht für Leute wie Rowe, die nur einen einfachen Schulabschluss haben. Ein Kohlekumpel fängt mit einem Stundenlohn von 24 Dollar an, für Überstunden gibt es die Hälfte obendrauf. Der nächstbessere Job ist Verkäufer bei Walmart. Da gibt es elf Dollar pro Stunde. "Ein Großteil des Einkommens hier stammt aus den Bergwerken", sagt Raleigh.

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