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USA:Trump will Visa-Vergabe an ausländische Fachkräfte erschweren

President Trump Visits Snap-On Tools In Kenosha, Wisconsin

Präsident Donald Trump mit dem unterschriebenen Dekret.

(Foto: AFP)
  • US-Präsident Donald Trump will gegen angeblichen Missbrauch bei der Visa-Vergabe an ausländische Fachkräfte vorgehen.
  • Trump unterzeichnete beim Besuch eines Werkzeugherstellers in Wisconsin ein entsprechendes Dekret.
  • Amerikanische Arbeitskräfte und deren Jobs stünden ab sofort an erster Stelle, so Trump.

Von Beate Wild, New Orleans

Donald Trump macht Ernst mit seinem Wahlkampfversprechen "Buy American, Hire American" ("Kauf amerikanisch, stell Amerikaner ein"). Am Dienstag unterzeichnete der US-Präsident einen Erlass, der Bundesbehörden zur Umsetzung seines Slogans anweist.

Der wichtigste Punkt des neuen Dekrets: Das Arbeitsvisum H-1B für ausländische Arbeitskräfte soll reformiert werden. Mit diesem Visum, das bislang 85 000 neue Fachkräfte jedes Jahr erhalten, kommen überwiegend Wissenschaftler, Software-Entwickler und IT-Spezialisten in die USA. Sie sollen Jobs erledigen, für die qualifizierte US-Bewerber schwer zu finden sind. Vor allem die großen Technologie-Unternehmen im Silicon Valley wie Facebook, Microsoft oder Google profitieren davon, sich Computer-Spezialisten aus dem Ausland zu holen.

Zukünftig soll laut Trump-Regierung strenger überprüft werden, wer ein derartiges Arbeitsvisum erhält. Oft seien Amerikaner in der Lage, diese Jobs zu machen, so die Argumentation. Der Import von ausländischen Arbeitskräften diene den Firmen nur dazu, die Löhne zu drücken, sagte Trump schon in der Vergangenheit häufiger. Allerdings ist das Dekret so unpräzise formuliert, dass Kritiker es für einen Show-Erlass halten.

Die Order werde "Arbeiter und Studenten wie euch schützen", sagte der US-Präsident am Dienstag einer Gruppe von Technik-Studenten und Fabrikarbeitern in der Zentrale von Snap-On Tools, einer Firma in Wisconsin. Es sei Zeit für "America first", Amerika zuerst.

Tech-Firmen dürften nicht begeistert sein

Für die großen Tech-Firmen wäre eine Reform der Regeln ein Problem. Firmen wie Facebook oder Google hätten ohne hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland nie so schnell wachsen können. Im Zuckerberg-Konzern arbeiten Statistiken zufolge 15 Prozent der US-Belegschaft mit einem H-1B-Visum.

Auch für junge Start-ups sind ausländische Arbeitnehmer wichtig, um mit einer aggressiven Wachstumsstrategie schnell Produkte anzupassen und Marktanteile erobern zu können.

Allerdings hat auch Trumps Vorwurf der Billiglöhne seine Berechtigung: Längst hat sich eine ganze Industrie von Subunternehmen darauf spezialisiert, junge qualifizierte Mitarbeiter in die USA zu lotsen, um sie dann dort für Löhne unter dem Marktniveau als Leiharbeiter bei Tech-Konzernen zu beschäftigen. Oftmals sind es Programmierer aus Indien oder China, die auf diese Art ins Land kommen.

Eine Reform des H-1B-Visums dürfte das Verhältnis zwischen Silicon Valley und US-Regierung weiter verschlechtern. Als Trump kurz nach seiner Amtseinführung das umstrittene Einreiseverbot für Menschen aus sieben vorwiegend muslimischen Ländern unterzeichnete, forderten 127 Unternehmen in einem Brief, das Verbot wieder aufzuheben. Selbst die Führungsebene positionierte sich gegen Trump. So ließ sich etwa Google-Mitbegründer Sergey Brin bei Protesten am Flughafen in San Francisco blicken und Uber-Chef Travis Kalanick verließ das wirtschaftliche Beratergremium der Trump-Regierung.

Wissenschaftler gehören zu Trumps Gegnern

Auch Wissenschaftler in den USA hatten bereits in den vergangenen Wochen gegen eine Erschwerung der Arbeitsbedingungen unter Trump protestiert. Es mussten bereits Forschungsprojekte gekürzt oder gar gestrichen werden. Vor allem Trumps Anti-Wissenschafts-Rhetorik und seine Haltung zum Klimawandel kommen bei Wissenschaftlern überhaupt nicht gut an. Die geplante Erschwerung in der Visa-Vergabe für ausländische Fachkräfte passt in dieses Bild. Am Samstag ist in Washington ein "March for Science" angekündigt.

Eine Verschärfung des H-1B-Visums würde es auch für Akademiker aus dem Ausland schwieriger machen, eine Forschungskarriere in den USA zu beginnen und so irgendwann eine permanente Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Bereits jetzt ist der organisatorische Aufwand für US-Firmen groß - künftig müssen Kandidaten mit einer längeren Bearbeitungsdauer und einer schärferen Überprüfung ihrer Visaanträge rechnen. Nach welchen Kriterien die Visa-Anwärter bewertet werden, ist bislang nicht bekannt.

© sz.de/joku
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