bedeckt München 28°

USA:Kater vor dem Fest

Die Inauguration des US-Präsidenten wird von Bällen und Partys in schnieken Hotels begleitet. Diesmal aber haben viele in Washington keine Lust auf eine rauschende Amtseinführung, denn kaum einer in der US-Hauptstadt hat Donald Trump gewählt.

Die Hunnen kommen. Nicht wirklich natürlich, aber ein bisschen fühlt es sich derzeit so an in Washington. Acht Jahre hat die Stadt mit dem ebenso kultivierten wie coolen Ehepaar Obama gelebt. Und jetzt steht aus Sicht vieler Bewohner praktisch Dschingis Khan vor den Toren, der tumbe Steppenkrieger, nur dass er sich heute eben Donald Trump nennt. In Washington herrscht Heulen und Zähneklappern.

Dabei wird in Amerikas Hauptstadt eigentlich gerade alles für eine große Sause vorbereitet. Am 20. Januar wird Trump auf den Stufen des Kapitols als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt werden, danach gibt es die traditionelle Parade auf der Pennsylvania Avenue mit Militärkapellen und Highschool-Bands, dann wird Trump das Weiße Haus beziehen. Die Tribünen stehen schon, und es werden freiwillige Helfer gesucht. Am Abend wird es Bälle und Partys in schnieken Hotels und Museen geben, man trägt Smoking und lange Kleider. Normalerweise ist die Inauguration, die alle vier Jahre stattfindende feierliche Amtseinführung eines Präsidenten, in Washington ein Festtag. Dieses Jahr nicht.

Washington, das kann man wohl so sagen, will Trump nicht. 90,9 Prozent der Wähler im Hauptstadtbezirk, dem District of Columbia, haben am 8. November für die Demokratin Hillary Clinton gestimmt. Nur 4,1 Prozent votierten für den Republikaner Trump, ein kleines Grüppchen von genau 12 723 Menschen. Ginge es nach den Washingtonern, könnten Trump und seine Entourage ruhig in New York oder sonstwo bleiben.

Wenn alles stimmt, was derzeit zu hören und zu lesen ist, so lassen die Hauptstädter die Neuankömmlinge ihre Abneigung durchaus spüren. Trumps Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway zum Beispiel, die künftig im Weißen Haus arbeiten wird und deswegen von New Jersey nach Washington umzieht, hat angeblich Probleme, für ihre Kinder Plätze in einer der feinen Privatschulen dort zu finden. Immer wenn sie anrufe und ihren Namen sage, höre sie am anderen Ende der Leitung nur Seufzer oder betretenes Schweigen, klagte Conway.

Nun kann man sich fragen, ob die Mitarbeiterin einer Regierung, die sich angeblich so um die "vergessenen kleinen Leute" sorgt, ihre Kinder unbedingt in eine Schule schicken muss, die ab 30 000 Dollar aufwärts pro Jahr kostet. Aber vielleicht war das mit der Volksnähe dann doch nicht so wörtlich gemeint.

Angeblich haben auch viele Washingtoner, die den aus ganz Amerika anreisenden Gästen der Inauguration zu horrenden Preisen Zimmer vermieten wollten, es sich anders überlegt. Es gibt Berichte, wonach bei der Vermietungsseite Airbnb etliche Angebote wieder herausgenommen wurden, nachdem klar geworden war, dass am 20. Januar keine Clinton-, sondern Trump-Anhänger die Mieter sein würden. Diese Rednecks will man lieber nicht in seinem Gästezimmer haben.

Am Ende freilich wird sich Washington an Trump gewöhnen. Das ewige Ringen um Politik, Geld und Macht, von dem die Stadt lebt, geht schließlich weiter. Und die Obamas bleiben ja auch, sie haben sich ein Haus im hübschen Viertel Kalorama gemietet, damit ihre Tochter die Schule beenden kann. Sie geht auf eine sehr teure Privatschule.

© SZ vom 02.01.2017

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite