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USA:Eine Klage, die Leben retten kann

Der amerikanische Bundesstaat New York will den mächtigen Waffenlobbyverband National Rifle Association per Gericht auflösen lassen. Doch das könnte Jahre dauern.

Von Hubert Wetzel

Die Klage, die die Justizministerin von New York gegen die National Rifle Association (NRA) angestrengt hat, wird so schnell nicht zum Ende der mächtigen Waffenlobby führen. Ob ein Gericht der Forderung, die Organisation aufzulösen, je folgen wird, ist offen.

Der wahre Wert der Klage liegt darin, dass sie den Amerikanern zeigt, was die NRA ist. Die Organisation spielt sich auf als Verteidigerin des Rechts aller Amerikaner, eine Waffe zu besitzen. In Wahrheit aber ist sie nur ein Selbstbedienungsladen für korrupte Funktionäre. Das wäre nicht weiter relevant, hätten diese Funktionäre die NRA nicht zugleich auch zu einer der härtesten Lobbyorganisationen in den USA aufgebaut, die sich jeder Verschärfung der Waffengesetze verweigert. Etwa 40 000 Amerikaner sterben jährlich an Schussverletzungen.

Es gäbe Möglichkeiten, diesen Wahnsinn zumindest einzudämmen, ohne das amerikanische Verfassungsrecht auf Waffenbesitz zu beschneiden. Doch dass entsprechende Versuche immer wieder scheitern, liegt ganz wesentlich an der NRA. Nun klagt die Justiz die Anführer der Organisation wegen Betrugs an. Das erinnert ein wenig an den Gangster Al Capone, der wegen Steuerhinterziehung hinter Gitter musste. Aber wenn die Klage auf diese Weise einige Leben rettet, hat sie sich gelohnt.

© SZ vom 07.08.2020

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